#fail of the week: Neonazis verhindern Auftritt von linker Punkband

Linke Bands im Osten? Davon gibt es nicht besonders viele. Eine ist „Feine Sahne Fischfilet“. Die Band mit dem Namen aus der Supermarkt-Tiefkühlabteilung eckt wegen ihrer antifaschistischen Gesinnung immer wieder an. Eigentlich sollte die Gruppe demnächst bei einem Stadtfest auftreten, doch die Stadtverwaltung sagte das Konzert ab – auf Druck von Neonazis. Von Christian Schiffer

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Feine Sahne Fischfilet (Audiolith)

„Feine Sahne Fischfilet“, kurz FSF, ist eine linke Band, die sich kompromisslos gegen Nazis stellt, genauso wie gegen Homophobie und Sexismus. Und es ist eine Band, die sich kritisch mit dem Staat auseinandersetzt. Das hat ihr schon einen Eintrag im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern eingebracht. Zitat:

„Die autonome Punkband FSF entfaltet neben ihrem musikalischen Wirken auch linksextremistische Aktivitäten – sie ist daher als politischer Zusammenschluss anzusehen.“ aus dem aktuellen Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern 2012

Über eine Seite lang beschäftigt sich der mecklenburg-vorpommersche Verfassungsschutz mit „Feine Sahne Fischfilet“. Aber so sind sie eben die Verfassungsschutzbehörden, in ihre Berichte schaffen es manchmal ja sogar preisgekrönte Organisationen, zeitweise etwa das antifaschistische Dokumentationsarchiv „A.I.D.A“ aus München. Auf jeden Fall hat das Label der Verfassungsfeindlichkeit den Jungs von „Feine Sahne Fischfilet“ bundesweite Aufmerksamkeit eingebracht, was sich auch in den Plattenverkäufen niedergeschlagen hat. Dafür bedankte sich die Band beim Verfassungsschutz, überreichte der Behörde einen Geschenkkorb und dokumentierte das Ganze auf Youtube. Soll niemand sagen, dass Autonome keine Manieren hätten!

Eigentlich könnten alle glücklich sein: Die Band hat den Durchbruch geschafft und ein paar Verfassungsschutzbeamte können sich auf die Schulter klopfen in dem Glauben, es dem Linksextremismus so richtig gezeigt zu haben.

Jetzt aber wird es ernst: Eigentlich sollte die Band am 23. August beim Stadtfest im sächsischen Riesa auftreten: Doch Jürgen Gansel, seines Zeichens Landtags-Abgeordneter der rechtsextremen NPD in Sachsen, hatte etwas dagegen. Er drohte damit, in Haushalten Flyer zu verteilen und argumentierte natürlich mit der angeblichen Verfassungsfeindlichkeit der Band. Plötzlich fürchtete sich die Stadtspitze vor gewalttätiger Auseinandersetzung zwischen Neonazis und Antifaschisten. Und so entschied der Stadtrat: Keine Bühne für Feine Sahne Fischfilet! Da beugt sich eine Stadtregierung den Neonazis, so sieht es jetzt zumindest aus. Und so muss man am Ende doch die Frage stellen, die man schon so oft gestellt hat und seit dem NSU-Terror eigentlich noch viel öfter stellen müsste: Sag mal, lieber Staat, geht’s noch?!

 

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