#failoftheweek: Der gelöschte Traum

„I have applaus“ so heißt ein Youtube-Video, das diese Woche hochgeladen wurde. Fast 300 Menschen haben es seither angeklickt – mehr nicht. Kein Wunder: In dem Clip gibt es nichts spektakuläres zu sehen und zu hören: Gezeigt wird Martin Luther Kings berühmte „I have a dream“-Rede – nur eben ohne die Rede, die wurde rausgeschnitten, übrig geblieben sind nur Sprechpausen und der Applaus.

Das Video stammt von dem Fotografen Michael David Murphy. Er wollte mit seinem Filmchen dagegen protestieren, dass die Ansprache von Martin Luther King nicht öffentlich zugänglich ist. Denn die Rede ist urheberrechtlich geschützt, mittlerweile hält offenbar Sony die Rechte daran. Nun hat Sony mit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung so gar nichts zu tun, keiner der Manager des Konzerns, kein einziger Aktionär hat auch nur eine Silbe zur Rede von Martin Luther King beigetragen. Aus Kings Stimme, seinen Worten und Gedanken ist ein schnödes Produkt geworden, mit dem man zwar nicht unbedingt viel Geld machen kann, das aber jemandem gehört. Das muss man ändern, die Rede muss öffentlich zugänglich sein, als Zeitdokument, aber auch, damit sich nachfolgende Generationen von Kings Rede inspirieren lassen können. Das zumindest finden Aktivisten. Sie stellen den Clip immer wieder auf Videoportale – Anschließend wird das Filmischen von den Videoportalen gelöscht, erneut hochgeladen, wieder gelöscht und wieder hochgeladen. Man kennt das Spielchen ja mittlerweile.

Erst im Jahr 2038 könnte es damit vorbei sein, denn dann erlischt das Urheberrecht, die „I have a dream“-Rede wird dann sozusagen „gemeinfrei“. Das passiert erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Dass diese Schutzfristen so lange sind, wird immer wieder kritisiert und zwar zu recht: Bücher zum Beispiel geraten einfach in Vergessenheit, weil niemand sie kopieren und digitalisieren darf.

Martin Luther Kings Rede anlässlich des Marsches auf Washington wird dieses Schicksal wohl erspart bleiben, man wird sich noch lange an sie erinnern – Urheberrecht hin, Urheberrecht her.

Auf Youtube ist Kings Rede aus dem Jahr 1963 übrigens gerade wieder online. Da heißt es schnell sein!

 

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