#fail of the week: Spielen macht klug

„Spielen macht klug“ titelt der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Dazu tappt eine junge Frau mit beseeltem Blick auf ihr Iphone. Als Gamer sollte man sich eigentlich freuen, dass Computerspiele nicht mehr als Teufelszeug wahrgenommen werden. Aber: Warum dürfen Games nicht einfach nur unterhaltsam sein? Von Christian Schiffer

„Dumb ways to die“, so heißt ein Clip, der auf Youtube bereits zwei Millionen Mal angeklickt wurde. Das Video zeigt verschiedene Arten ums Leben zu kommen, die zwei Dinge gemeinsam haben: Sie sind allesamt total dumm – und sie sind Leuten im Videospiel-Megablockbuster GTA V passiert: Auf der Autobahn bei 300 Sachen, schön die Tür seines Lamborghinis aufmachen und lässig aus dem Auto hängen; sich neben eine Tankstelle stellen und mit dem Flammenwerfer rumspielen; extra doof gegen einen Laternenmast laufen. Wenn man sich das Video ansieht, kann man nur zu dem unweigerlichen Schluss kommen, dass Videospiele uns langsam in hirnlose Torfköpfe verwandelt und die Rückverdummung schon viel weiter fortgeschritten ist, als bisher ohnehin schon befürchtet.

Und dann kommt am Montag der Spiegel um die Ecke und verkündet auf dem Titel das exakte Gegenteil, und das auch noch in GTA-Schrift: „Spielen macht klug – Warum Computerspiele besser sind als ihr Ruf“. Im dazugehörigen Artikel erfährt man dann, was Computerspiele alles Gutes tun können: Sie stärken menschliche Beziehungen und können dabei helfen, Krankheiten heilen. Und sie erhöhen das Abstraktionsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit, weil nämlich die Frontallappen, die Parietallappen und das anteriore Cingulum im Hirn effektiver arbeiten, wenn man Egoshooter spielt.

games-spiegel-cover_BRSo geht es weiter in dem Artikel: Studie um Studie, Zahl um Zahl wird nachgewiesen, dass Computerspiele doch irgendwie etwas bringen können. Über ein Spiel, das im Unterricht eingesetzt wird, heißt es: „Ihnen macht der Unterricht Spaß. Sie gehen gerne in die Schule. Sie sind konzentriert im Unterricht. Ein Spiel, das lernt man hier, funktioniert nur, wenn sich alle an die Regeln halten.“

Alles muss heute Sinn haben

Computerspiele, dieses einstige Teufelszeug, diszipliniert nun also sogar Schüler. Völlig spaßbefreit erklärt der Spiegel, warum Computerspiele doch viel mehr sind als nur eine Zeitverschwendung. Und damit liegt er natürlich voll im Trend: Denn alles muss heute irgendeinen Sinn haben, sinnlos seine Zeit zu vertrödeln, ist in der heutigen Kontrollgesellschaft ein absolutes No-Go. Und so haben Computerspiele nur dann eine Berechtigung, wenn sie irgendwas Tolles mit Gehirnen anstellen.

Doch Frontallappen hin, Parietallappen her: Es gibt wahrscheinlich dennoch effizientere Arten seine Zeit zu verbringen, als zum Beispiel 60 Stunden in GTA V zu verbraten und dabei eins ums andere Mal selten dämlich zu Tode zu kommen. Und das ist ganz wunderbar so: Mit Computerspielen klinken wir uns aus dem Hamsterrad aus, sind schön unproduktiv, lassen entspannt die Gehirnsynapsen durchhängen. Total sinnlos das Ganze, fast schon dissident. Und deswegen umso wertvoller.

 

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  1. Wann werden diese Videospiel Diskussionen endlich ein Ende haben? Videospiele sind nichts anderes als Filme oder Bücher. Sie dienen in erster Linie der Unterhaltung, können aber auch durchaus Bildungs- und Kreativitäts-fördernd sein.

    Bevor man nichtssagende Blogeinträge raushaut sollte man sich vielleicht erst einmal mit der Materie auseinandersetzen. Das Medium Videospiel bietet nämlich auch anspruchsvolle Spiele abseits des Mainstream, in denen man sich nicht einfach nur möglichst dumm um die Ecke bringt.

    Darüber hinaus, spielt jeder anders. Genauso wie z.B. jeder anders Filme sieht. Der eine steht mehr auf 08/15 Popcorn Kino, der andere schaut lieber Dokus oder Kubrick Filme. Rambo vs. Moonrise Kingdom, Marienhof vs. Twin Peaks, Arrested Development vs. Two and a half Men, Kitschige Romane vs. Biografien, etc.

    Pauschalischieren lässt sich bei dem Thema gar nichts und es ist echt traurig, dass das immer wieder versucht wird wenn es um Videospiele geht.

    In diesem Sinne: Blogfail of the week liebe Zündfunker

  2. Pingback: Valentinas Blog » „Ich lebe doch nicht in einem Vakuum!“

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