#failoftheweek: Assange wird zur Modemarke

Was macht eigentlich Julian Assange? Der sitzt immer noch in der ecuadorianischen Botschaft in London fest, angeblich wohnt er dort mit einem halben Dutzend Handys und Laptops, einmal die Woche boxt er mit einem ehemaligen Elitesoldaten. Really?

Da rutscht Julian Assange nun auf einem Barhocker hin und her und erzählt, wie sehr ihn die Wut antreibt. Julian Assange Ende September auf einer Konferenz in Massachusetts. Moment, der Julian Assange? Der weißblonde Australier, der ja eigentlich auf 20 Quadratmetern in der ecuadorianischen Botschaft in London lebt? Seine Stimme klang damals irgendwie metallisch, der Teint war sogar noch bleicher als sonst. Und dann wollte der Moderator auch noch High-Five mit ihm machen, was gründlich misslang:

High Fives misslingen ja öfters, schuld daran ist meist schlechtes Timing. Hier allerdings lag es aber vielmehr daran, dass Julian Assange zwar da war, aber irgendwie auch nicht. Man hatte ihn zugeschaltet, und zwar als Hologramm, der Moderator schlug mit seiner Hand also immer durch Julian Assange durch.

T-Shirts mit Wikileaks-Logo

Die Hologrammtechnik wird normalerweise dazu benutzt, um tote Musikstars als 3D-Zombies wieder auf die Bühne zu bringen. Hier dient sie dazu, Julian Assange auf eine Konferenz zu projizieren, denn er selbst sitzt ja in der Botschaft von Ecuador fest, seit über zwei Jahren schon. Von dort aus leitet er immer noch Wikileaks, die Whistleblower-Organisation, die zwar aktiver ist, als man gemeinhin denkt, aber eben doch weit weniger Staub aufwirbelt als noch vor ein paar Jahren. Diese Woche sorgte Wikileaks jedoch wieder für Gesprächsstoff, der Grund dafür waren keine geleakten Geheimdokumente. Im Auftrag von Wikileaks und Julian Assange meldete sich die Rechteverwertungsfirma Bavaria Sonor bei Getdigital.de, einem Vertrieb für allerlei Nerd-Kram, darunter auch T-Shirts mit dem Wikileaks-Logo.

Zitat: „Unter folgenden Link bieten Sie nicht-lizensierte Waren beziehungsweise Logos unter der Nutzung des Wikileaks-Logos und / oder des Bildes beziehungsweise Konterfeis von Julian Assange an. Wir müssen Sie bitten ihr Angebot umgehend zu entfernen und von einem weiteren unbefugten Gebrauch des urheberrechtlich geschützten Materials abzusehen.“

„Die erste Phase der Vermarktung zielt auf die Produktwelt einer politisch interessierten, internet-affinen und modebewussten Zielgruppe“

Julian Assange lässt also Lizenzgebühren eintreiben und das ist nicht gerade das, was man von der ehemaligen Hacker-Ikone erwartet würde. Bizarr: Getdigital hat bislang den ganzen Gewinn aus dem Verkauf der Wikileaks-T-Shirts an die Wau-Holland-Stiftung gespendet. Die verwaltet in Deutschland die Spenden für Wikileaks. Der Hintergrund der Unterlassungsforderung ist wohl, dass Julian Assange jetzt in Mode machen will, angeblich hat er schon ein paar T-Shirts designet. Assange-T-Shirts und das Wikileaks-Logo? Daran könnte man doch gut verdienen! In einer Pressemittelung der Bavaria Sonor heißt es:

„Die erste Phase der Vermarktung zielt auf die Produktwelt einer politisch interessierten, internet-affinen und modebewussten Zielgruppe: Handyschalen, Hoodies, T-Shirts, Jacken, Sonnenbrillen, Uhren, Schreibwaren, Messenger Bags etc. Hier wird Bavaria Sonor sowohl etablierte Unternehmen ansprechen als auch kleinere Szene-Labels. Der Styleguide ist umfassend, enthält aber auch eine klare Abgrenzung zu radikalen Botschaften, die über das Kernanliegen von WikiLeaks, der Verteidigung universeller Bürgerrechte, hinausgehen.“

Bald auch T-Shirts mit Assange-Konterfrei?

Bald auch T-Shirts mit Assange-Konterfrei?

Das klingt nach Ausverkauf, danach, dass Assange nur noch die Vermarktung der eigenen Person im Sinn hat. Die Verwertungsgesellschaft hat sich mittlerweile entschuldigt und betont, dass die Einnahmen aus dem Lizenzgeschäft Wikileaks zu Gute kommen würden. Ein Geschmäckle bleibt trotzdem: Wikileaks und Julian Assange könnten bald das sein was Che Guevara, Mumia Abu-Jamal, die Tibet Fahne oder das Pali-Tuch schon heute sind: Ein kommerziell erfolgreiches Protest-Accessoire – ohne besondere Tiefe. Eine Art Protest-Hologramm wenn man so will.

 

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