Der Bock ist nun Beauftragter für Gartenbau

Kreativ und digital? Musiklobbyist Dieter Gorny soll das Wirtschaftsministerium in Sachen Netzpolitik beraten. Das ist keine besonders gute Idee. Ein Kommentar von Christian Schiffer.

Echo Klassik - Ankunft

Dieter Gorny zu Gast in der Harald Schmidt Show – in den 90er Jahren war das, als Gorny gerade den Musiksender Viva aufgebaut hatte, wenig später richtete er Viva dann wieder zu Grunde, sagen böse Zungen.

Irgendwann wird er Cheflobbyist der Musikindustrie – und jetzt ist er Beauftragter für Kreative und Digitale Ökonomie. Ernannt von Siggi Pop seinem Parteigenossen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Das ist ungefähr so, als würde das Bundesfamilienministerium Lothar Matthäus ernennen zum Beauftragten für Ehe und Partnerschaft oder das Bundesinnenministerium Pierre Vogel zum Beauftragten für interreligiösen Dialog. Wenn man sich in der Vergangenheit in Sachen Netzpolitik etwas unsicher war, dann half es genau zuzuhören, wenn Dieter Gorny zu diesem oder jenen Thema etwas zu sagen hatte – das exakte Gegenteil davon war dann meist der mit Abstand sinnvollste Ansatz.

Und dieser Dieter Gorny soll nun das Wirtschaftsministerium in Sachen der Netzpolitik beraten. Laut einem Bericht von Heise er sagt auch gleich, warum:

„Gorny unterstrich, die hiesige Antwort auf das Silicon Valley müsse sich aus europäischen Werten ‚wie geistigem Eigentum und Urheberrecht‘ speisen. Das Wohl und Wehe der Musikbranche dürfe nicht ein paar Nerds überlassen werden.“ Dieter Gorny

Für Gorny ist „Nerd“ offenbar eine Art Schimpfwort. Dabei hätte die Musikindustrie vielleicht mal auf die Nerds hören sollen, als die Anfang des neuen Jahrtausends sagten: „Hey, sorry, liebe Musikindustrie, aber so wird das nichts mit Eurem Geschäftsmodell im Digitalzeitalter!“

Es war der Nerd Steve Jobs, der den Musikmanagern zeigte, wie das so geht mit dem Geldverdienen mit Musik.
Eigentlich bräuchte die gesamte Netzpolitik viel mehr Nerds, denn noch bestimmen dort regelrechte Antinerds, Leute wie Günther Oettinger:

„Netzneutralität, da haben wir wieder – und zwar gerade in Deutschland – Taliban-ähnliche Entwicklungen.“

oder Alexander Dobrindt:

„The digital infrastructure is however far more than purely a technical project.“

Und andere:

„Also, Computer ist für mich mehr so ein ganz einfaches Instrument – wie ein Hammer oder ein Nagel.“ Guido Westerwelle

Wenn Nerds mehr zu sagen hätten in Sachen Netzpolitik, Deutschland wäre wohl ein bisschen weiter beim Netzausbau, die Abmahn-Industrie würde sich nicht die Taschen vollstopfen, man würde vielleicht sogar auch mal die ein oder andere Innovationen hervorbringen und müsste nicht immerzu über das böse Silicon Valley lamentieren. Und vielleicht würde man dann in diesem Moment auch an einem Gesetz arbeiten, das freies Wlan eher ermöglicht statt verhindert.

Aber leider haben Nerds recht wenig zu melden, dafür aber Lobbyisten wie Dieter Gorny. Schade, dass es Viva nicht mehr gibt, Boybands und Kirmestechno: Hier wäre Dieter Gorny immer noch am besten aufgehoben.

Von Christian Schiffer

 

Kommentieren:

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  1. Wenn man sich das vorstellt:
    Es gibt soviel Leute die Plan und Ahnung von den Möglichkeiten die die Netzwelt bereit hält haben. Und wen nehmen wir für die erste Reihe:
    Dieter und Günther.
    Ist das nicht schrecklich. Und das nur weil die Freunde doch versorgt sein müssen.

  2. Nicht nur gerieren sich die alten Männer mit Kugelschreiber als Bewahrer ihrer alten Geschäftsmodelle, nein, ihnen fehlt auch gänzlich die Phantasie, überhaupt neue Produkte (und damit Märkte) zu erdenken. Hier bleiben Schuster also völlig bei ihren Leisten. Kreativität erkennen die nicht, wenn sie ihnen in den Hintern beißen würde.

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