#failoftheweek: Das nervigste Mem der Gegenwart

Ja, diese Woche war „Zurück in die Zukunft“-Tag. Was für ein Hype! Den muss man doch in irgendeiner Form für sich nutzen, dachten sich Politiker und Firmen und verwandelten einen tollen Film in das nervigste Mem der Gegenwart. Von Christian Schiffer.

Halloo, Hallooo… Jemand zu Hause?! Wer es noch nicht mitbekommen hat: Marty McFly aus dem Jahr 1985 ist diese Woche mit seinem DeLorean gelandet, hier bei uns im Jahr 2015. Der Tagesschau war das eine ganze Sendung aus der Zukunft wert und dem Postillon natürlich eine Meldung:

„Chaoten in fliegendem Auto wegen Gefährdung des Straßenverkehrs festgenommen“

Das war ja noch lustig, doch dann lief sie an, die Hype-Maschine: Irgendwann klinkten sich die Grünen ein und forderten ein Verbot von Hoverboards („gegen Kampfboarder!“) und am Ende blieb „Zurück in die Zukunft“ noch nicht einmal von der CDU Rheinland Pfalz verschont:

„Unser Fluxkompensator steht auf 13.3.2016, 18 Uhr. Nach der Wahl beginnt eine bessere Zukunft für Rheinland-Pfalz.“

Mit dem Fluxkompensator reiste Marty McFly in den „Zurück in die Zukunft“-Filmen einst durch die Zeit und das Fernsbusunternehmen Flix gab prompt bekannt, ihn bereits erfunden haben:

Genauso wie der Autodinosaurier Ford:

Ikea verbreitete unterdessen eine Bauanleitung für das Höva-Hoverboard, das aber natürlich auch schon von Toyota erfunden wurde:


Das vordringlichste aller Menschheitsprobleme: Ein Hoverboard

Das Interessante: Toyota hat vor einiger Zeit tatsächlich mal ein Schwebeskateboard vorgestellt. Okay, das Hoverboard funktioniert nicht auf normalen Straßen, sondern nur auf Skaterbahnen, die dafür vorher aufwändig umgebaut werden müssen. Ziemlich aufwändig sogar, genaugenommen müssen da dicke Magneten in den Betonboden eingelassen werden, aber hey: Es ist ein Hoverboard! Und wir brauchen das Hoverboard!
Wir tragen zwar mittlerweile potente Hightech-Rechner in unseren Hosentaschen herum, das Tablet hat es aus Star Trek auch schon in unseren Alltag geschafft und das Videophone aus „The Jetsons“ sowieso, nur: Ohne schwebendes Skateboard fühlt sich die Gegenwart irgendwie noch nicht genug nach Zukunft an. Kein Wunder also, dass schon längst gleich mehrere Kickstarterkampagnen um Geld gebuhlt haben, um dieses vordringlichste aller Menschheitsprobleme endlich anzugehen.


„Zurück in die Zukunft“ war ein toller Film und Firmen, Politiker und viele andere haben mit Hilfe des Internets diesen tollen Film in das nervigste Mem des Jahres verwandelt, nerviger sogar als die Masse an unlustigen 1. April-Scherzen, die jedes Jahr über uns hereinbricht und unsere Timelines mit schalen Pseudomeldungen verklebt.

Aber immerhin lässt sich der nervige Hype einigermaßen plausibel erklären, denn sie ist ja wirklich toll, diese Zukunft aus „Zurück in die Zukunft“!  Alles bleibt irgendwie gleich, nur bequemer geht es zu: Kleine Pizzen werden im Hydrator zu großen Pizzen, Drohnen gehen Gassi mit dem Hund und Sneaker schnüren sich selbst. Ach ja, selbstschnürende Sneaker hat natürlich auch schon wer erfunden, Nike möchte sie in limitierter Auflage verkaufen.

Was der Hype um die Zukunft über die Gegenwart aussagt

Der Hype um „Zurück in die Zukunft“ sagt weniger aus über die Zukunft, als viel mehr über die Sehnsüchte der Gegenwart. Und natürlich wünschen wir uns eher eine Zukunft mit Hologrammen, Videobrillen und schwebenden Skateboards als eine mit Kriegen um die letzten weltweiten Wasservorkommen und archaischen Arenakämpfen in der Wüste. Wir wollen nicht, dass 2019 eine undurchdringliche Smogwolke über unseren Megacities hängt, so wie es der „Blade Runner“ vorhersagt. Und auf das kulinarische Erlebnis tagein tagaus Täfelchen aus zusammengepresstem Plankton essen zu müssen, so wie 2022 im Science Fiction-Klassiker „Soylent Green“, darauf wollen wir auch gerne verzichten. Dazu aber müssen wir uns mit der realen Zukunft beschäftigen, denn wenn wir eines aus „Zurück in die Zukunft“ gelernt haben, dann dies: Das, was wir heute tun hat enorme Auswirkungen auf die Welt von Morgen.

 

Kommentieren:

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  1. Herr Schiffer hat, und das meine ich wirklich ernst, einen schweren Job. Oft muss er Kleinigkeiten aus dem Web zu großen Geschichten aufblasen. ZidZ ist „das nervigste Mem der Gegenwart“? Naja. Wieso nicht einfach die oben genannten Mediennutzer ein paar lustige Posts/Videos/whatever zu einem tollen Film abfeuern lassen? Wieso sich immer aufregen, wenn vermeintliche Nicht-Nerds vermeintliches Nerd-Zeug toll finden? Kann man da nicht drüber stehen? Kann man die nicht einfach ein Stück vom Kuchen abhaben lassen? Wo bleibt denn da die #Willkommenskultur? Bestimmt wird Herr Schiffer zum Star Wars VII Release auch genötigt, einen Text über die Vermainstreamung dieses Franchises zu schreiben.
    Ich jedenfalls befolge jetzt meinen eigenen Ratschlag und stehe drüber, ich rege mich nicht über diesen Artikel auf.
    Schöne Grüße,
    Ihr G.Wallraff

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