#failoftheweek: Kreuzers Facebookparty

BILDQUELLE ANGEBEN! (Bildbeschreibung; prägnantestes Stichwort + Agentur + ID; z.B. hand mit geld und karte_dapd_00341859; arzt_hg_dapd_70541538)

Screenshot Facebook-Seite der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag

Morddrohung und Hass-Kommentare gegen Claudia Roth auf der Facebook-Seite der CSU. Nachdem die Grünen sich beschwert hatten, passierte ein Wochenende lang: nichts. Als die Grünen die CSU dann am Montag anzeigte, zeigten sich die Konservativen alles andere als einsichtig. Von Tobias Krone.

Vorweg: Deutschland ist nicht scheiße. Nazis sind scheiße. Warum das hier gesagt wird? Weil es heute gesagt werden muss. Man muss heute immer sagen, wenn man dagegen ist. Vor allem in einem sozialen Netzwerk, in dem man ja nie so richtig Herr im eigenen Haus ist.

„Claudia Roth ist nur eine miese Volksverräterin und gehört überall hin, nur nicht nach Deutschland.“

hatet da zum Beispiel eine Desdemona Bartels auf dem Facebook-Profil der CSU. Ein anderer Kommentator wünscht der Grünen-Politikerin und Angela Merkel noch gleich den Tod dazu. Mitten in der Öffentlichkeit, in der rechten Mitte Deutschlands.

„Der eigentliche Skandal ist, dass eine solch strunzdumme Person mit solch einem Lebenslauf hier in Deutschland in solch eine Position kommen konnte.“

Ein anderer Facebook-Kommentar gegen Claudia Roth, einer von vielen. Tagelang standen sie auf dem CSU-Profil, wurden nicht gelöscht. Was will uns die CSU damit sagen? Wenn Zeilen von blankem Hass und Morddrohungen tagelang auf dem offiziellen Portal stehen bleiben, wenn die Grünen am Freitag per Mail auf die Kommentare hinweisen, und am Montag immer noch nichts davon gelöscht ist?

„Was glauben Sie, wie viele Mails ich bekomme, guter Mann?“

„Was glauben Sie, wie viele Mails ich bekomme, guter Mann?“, sagte der Chef der CSU-Landtagsfraktion Thomas Kreuzer dem Mann von der Süddeutschen Zeitung. Nehmen wir also an, ein Fraktionschef liest nicht so gerne Mails, in denen vor Morddrohungen auf dem eigenen Facebook-Profil gewarnt wird. Klar, dann liest er auch wahrscheinlich keine Facebook-Kommentare. Sollte er aber. Die CSU ist schließlich eine „Internetpartei“ – O-Ton Seehofer: „Wir sind gerade mitten im digitalen Aufbruch!“

Ja, selbst Ilse Aigner ist wieder auf Facebook vertreten, nachdem sie sich 2010 aus Protest gegen nicht vorhandenen Datenschutz abgemeldet hatte. Eine Medien- und Technologie-Ministerin, die man nicht adden kann, wäre schließlich auch nicht glaubwürdig. Aber auch andere Parteikollegen haben ihren Spaß im Netzwerk: Finanzminister Markus Söder postete ein Foto, das ihn als Jugendlichen verwegen vor einem Strauß-Poster in seinem Kinderzimmer zeigt. Parteichef Seehofer sorgte 2012 für Furore mit seiner Facebook-Party in der Münchner Schickeria-Disko P1. Völlig unabhängig davon, ob solche Events geliked werden oder nicht, die CSU bewegt sich in den sozialen Netzwerken und sollte die Regeln kennen.

Nehmen wir den entscheidenden Facebook-Post der Partei, der die Hasskommentare nach sich zieht:

„Claudia Roth unterstützt Demo trotz ‘Deutschland, Du mieses Stück Scheiße‘-Rufen. Die Politikerin der Grünen und ‪#‎Bundestagsvizepräsidentin‬ konnte die Rufe bei der Veranstaltung in ‪#‎Hannover‬ laut Bericht einer örtlichen Zeitung hören und marschierte dennoch weiter.“

Tatsache. Nur was das für eine Demo war, auf der Claudia Roth „mitmarschierte“, wird leider überhaupt nicht erwähnt. Es ist die Demo „Bunt statt Braun“ anlässlich des AfD-Parteitages.

Who let the dogs out?

Claudia Roth ist ja mittlerweile eine Popikone des Shitstorms. Gerade eine „Internetpartei“ wie die CSU hat bestimmt schon mal was von dem Rapper Bushido gehört, der in seinem Song „Stress ohne Grund“ die Politikerin zum Opfer seiner verbalen Waffenorgie machte.

„Ich schieß auf Claudia Roth, und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz.“

Es ist so cool, gegen Claudia Roth zu sein, weil man ganz genau weiß: Ihr offenes Gutmenschengesicht auf Facebook reicht aus, um die Hunde von der Leine zu lassen. Zuverlässig finden sich Trolle, die munter drauf los hetzen. Möglicherweise kann die CSU für solche Existenzen nichts, aber sie könnte eines: Dagegen sein. Gegen Hass, Verachtung und Gewalt. In aller Netz-Öffentlichkeit. Man muss das heute eben immer noch mal dazusagen, wogegen man wirklich ist.

 

 

Kommentieren:

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft. Mehr in den Kommentarrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.