Digitaler Suizid? Auf der Suche nach Radiohead

Merkwürdiges passiert: Die Seite von Radiohead verschwindet langsam, die Band zieht sich aus dem Netz zurück: Tweets und Facebook-Posts werden gelöscht. Noch spookiger: Fans bekommen Flyer der Band per Post geschickt, darauf kryptische Andeutungen. Was will die Band uns damit sagen? Ist es eine Botschaft? Oder nur ein blöder Marketing-Gag? Wir machen uns auf die Suche.

ARCHIV - Der Sänger Thom Yorke der englischen Band Radiohead tritt mit seiner Gruppe am 29.09.2012 in Berlin auf der Freilichtbühne in der Wuhlheide auf. Foto: Britta Pedersen dpa (zu dpa "Gerüchte um neues Album: Radiohead löschen Internetauftritte" vom 02.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Ja Thom Yorke, lösch erst die eigene Bandpage und dann das Internet. Gute Idee!

Wie einen Raketenstart haben Fans am Sonntag das Verschwinden der Radiohead-Webseite beobachtet, wie die Seite langsam verblasst und im digitalen Äther verschwindet.

 Es müssten jetzt ungefähr 45% sein. Kommt bei 0% ein neues Radiohead-Album?

Doch dann passiert: nichts. Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei. Oder hat er gerade erst begonnen?

Ein Tag zuvor: Per Royal Mail erhalten Fans in England einen mystischen Flyer mit Radiohead-Logo: „Wir wissen, wo ihr wohnt“, steht drauf

Wen meinen Radiohead damit? Wir fragen einen Fan auf Twitter, warum er den Flyer zugeschickt bekommen hat.

Der digitale Suizid, rätselhafte Ankündigungen per Post? Fallen wir auf eine neue Radiohead-Verkaufsstrategie rein, pseudomodern gestrickt im Offline-Modus? Fans vermuten schließlich, dass bald ein neues Album kommt. Unser Autor twittert der Band:

Wir werden den ganzen Tag keine Antwort bekommen. Auch nicht von Thom Yorke selbst.

Das Management lässt genauso wenig von sich hören. Wir sind nicht die einzigen, die von Radiohead zur virtuellen Schnitzeljagd angefixt werden. Die Musikseite Pitchfork und andere rätseln. Irgendwas passiert. Nur was? Je mehr wir recherchieren, desto absurder wird es. Thom Yorke hat eine kryptische Spur gelegt, die uns bis ins 18. Jahrhundert führt. Auf dem Flyer, den die Band an die Fans geschickt hat, steht noch etwas: „Sing The Song Of Six Pence That Goes: BURN THE WITCH“

Wir recherchieren hart am Limit – und öffnen Wikipedia. „Sing The Song Of Six Pence“, wie der Flyer uns auffordert, ist ein bekanntes englisches Kinderlied. Bloß: Was haben jahrhundertealte Verse mit dem hypermodernen Pop von Radiohead zu tun? Vor zwei Jahren hat Thom Yorke sein Album noch zum pay-what-you-want-Tarif angeboten – ausschließlich über das Filesharing-Protokoll BitTorrent. Heute scheint der digitale Rückzug die neue Verkaufsmasche zu sein.

Oder steckt etwas viel größeres dahinter? Will Thom Yorke uns alle dazu bringen, das Internet für immer zu verlassen? Werden Radiohead Musik in Zukunft nur noch per Post verschicken? Als eine Art analoger Streamingdienst? Am Ende der Recherche fühlen wir uns wie die Homepage von Radiohead: Wir verblassen im virtuellen Strom der Spekulation.

 

Update vom 03. Mai 2016:

Die Homepage von Radiohead ziert wieder Inhalt: Ein Video, in denen kleine Dorfbewohner aus Knete ihrem Alltag nachgehen – und am Ende eine riesige Holzstatue abbrennen.

burn

Screenshot aus dem neuen Musikvideo von Radiohead

 

 

 

Passend zum vermuteten Albumtitel „Burn The Witch“. Dazu kann man einen Song hören. Hätten Radiohead die letzten Tage nicht mit Unberechenbarkeit Schlagzeilen gemacht, könnte man fast einfach nur sagen: Es ist ein Musikvideo. Einzelne Snippets aus dem Clip hatten Radiohead am Vormittag auf ihrem instagram account gepostet. Die facebook-Seite von Radiohead ist jetzt auch wieder in Betrieb.

 

 

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