#failoftheweek: Trump statt Pop – Der Niedergang von Wikileaks

Ein paar Hacker, die die Mächtigen herausforderten, Daten befreiten und den Menschen die Augen öffneten. Wikileaks, das war mal cool und geradezu Pop. Doch davon ist nicht mehr viel übrig. Ihr Kopf, Julian Assange, versauert in der ecuadorianischen Botschaft und die Organisation selbst macht nur noch mit halbgaren Leaks von sich Reden und kuschelt angeblich sogar mit Putin. Dieses Wikileaks braucht niemand mehr.

Unterstützt Wikileaks. Spendet Geld. Ich selbst verspreche für das kommende Jahr eine Million Dollar. Helft Julian Assange und seinem Team. Sie machen einen exzellenten Job.

So etwas nennt man dann wohl „Kiss of Dead“. Denn derjenige, der hier per Twitter voller Leidenschaft zur Unterstützung von Wikileaks aufruft, ist kein geringerer als Kim Schmitz, besser bekannt als Kim Dotcom. Der korpulente, höchst umstrittene und mittlerweile in Neuseeland ansässige Internetunternehmer steht eigentlich immer mit einem Bein im Knast und wer ihn zum Freund hat, der braucht auch keine Feinde mehr. Der Megaupload-Gründer hat schon so ziemlich jeden mit in den Abgrund gerissen, 2014 zum Beispiel die Partei der neuseeländischen Ureinwohner, der Maori. Kim Dotcom wollte damals die neuseeländische Politik heimsuchen und die Maori-Partei war so dumm mit seiner Internet-Partei ein Wahlbündnis zu schließen. Es kam wie es kommen musste: zusammen bekam man nur 1,42 % der Stimmen, die Ureinwohner verloren ihr einziges Direktmandat. Jetzt will Kim Dotcom Wikileaks unterstützen, für die Organisation dürfe es jetzt also eng werden. Aber muss man darüber traurig sein? Eher nicht.

Vor ein paar Jahren war das noch anders: Ein Youtube-Video aus dem Jahr 2011 zeigt, wie Julian Assange in einem Club in Reykjavik tanzt – alleine. Der Weißschopf slidet anmutig über die Tanzfläche und damals dachte man sich so: Leckomio! Der Typ! Der Typ kann sogar tanzen!!

Heute versauert Julian Assange auf 20 Quadratmetern in der ecuadorianischen Botschaft. Und seine Organisation? Die veröffentlicht mittlerweile Kuchenrezepte und Spammails, denn genau das findet man in dem Datenklops, den Wikileaks großspurig „AKP-Leaks“ genannt hat. Kuchenrezepte, Spammails und diverse private Daten, die Frauen in Gefahr bringen könnten. Was man hingegen nicht findet: Irgendetwas von politischer Brisanz.

Politisch brisant sind immerhin die Mails der US-Demokraten, die Wikileaks diese Woche veröffentlicht hat. Weit brisanter allerdings ist der Zeitpunkt: Genau zur Nominierung von Hillary Clinton, möglicherweise sogar mit der Unterstützung Russlands. Whistleblowing scheint Wikileaks nicht mehr zu reichen, gezielt versucht die Organisation offenbar Politik zu machen. Und das wiederum freut einen ganz besonders. Donald Trump.

Putin, Kim Dotcom, Trump – es ist eine seltsame Gesellschaft, in die sich Wikileaks da hineinmanövriert hat. Und so ist kaum noch etwas übrig von der unnahbaren, rebellischen Lässigkeit, die die Organisation und ihren Gründer einmal umwehte. Wikileaks wirkt heute eher wie ein vorlautes Familienmitglied zum Fremdschämen, wie eine Tratschtante auf dem Fischmarkt, wie eine Organisation mit ADHS. Aber eigentlich ist das auch egal. Denn Whistleblower sind auf Wikileaks schon längst nicht mehr angewiesen.

 

Kommentieren:

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  1. der fail ist wohl eher der #failoftheweek
    anstatt darüber zu berichten wie bernie sanders behindert wird, von einem eigentlich neutralen gremium, und hillary bervorteilt wird,
    wird der überbringer der nachricht diskreditiert

    und ich versteh auch nicht, was es ausmacht, ob nun die russen oder sonstwer die geheimnisse aufdeckt, als ob das den inhalt irgendwie beeinträchtigen würde

    unsäglicher, unkritischer und bescheuerter kommentar

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