#failoftheweek: Warum man die Reichsbürgerbewegung nicht belächeln sollte

Vor zwei Jahren, da trat Xavier Naidoo vor den sogenannten „Reichsbürgern“ auf, wie er sagte, „um die Liebe zu repräsentieren“. Unter anderem sein Faible für die diese Gruppierungen kostete ihn dann später die ESC-Kandidatur. Viele haben das damals kritisiert, weil Reichsbürger häufig immer noch als harmlose Spinner abgetan werden. Gestern nun gab es in Sachsen-Anhalt eine Schießerei, bei der ein Reichsbürger schwer verletzt wurde. Ganz so harmlos ist diese Bewegung dann wohl doch nicht.

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Irgendwo in Sachsen-Anhalt, drei Einsatzwagen der Polizei halten vor einem Anwesen, für den aufgekratzten Grundstückseigentümer allerdings sind die Beamten keine Beamten, sondern Marionetten der sogenannten „BRD GmbH“: Kriminelle, die beim Marken- und Patentamt nur die Wortmarke „Polizei“ angemeldet haben und jetzt hier aufmucken.

Genau so bizarr geht es dann weiter in dem Youtube-Clip, der im März durchs Netz kursierte: Die Polizisten werden als „Hafensänger“ bezeichnet und als „Nasenbären mit Masken auf dem Kopf“, sie sollen runter vom Grundstück und zwar dalli! Wobei … was heißt da Grundstück! Hier geht es um sehr viel mehr… Der, der da im Video zu hören ist, heißt Adrian Ursache, 41 Jahre alt und selbsternannter Chef des Ministaates Ur. Ursache war 1998 Mister Germany, 1997 wurde er zum schönsten Mann Ostdeutschlands gewählt und ist aktuell mit mit einer ehemaligen Mrs. Germany verheiratet.

Die 19jährige Michalina Koscielniak aus Delmenhorst ist 14.1.1998 in Berlin zur neuen "Miss Germany" gewählt worden. Der 23jährige Adrian Ursache aus Berlin wurde zum "Mister Germany" gekürt. Insgesamt nahmen 23 junge Frauen und Männer am Finale dieses Wettbewerbs teil. Die beiden Sieger der Berliner Endausscheidung sollen Deutschland nun bei der Wahl zur "Queen of the World" und bei der "Mister Europa"-Wahl vertreten. Die Wahl fand einen Tag nach einer ähnlichen Veranstaltung in Trier statt, bei der am Abend zuvor eine andere junge Frau ebenfalls zur "Miss Germany" gekürt worden war. Grund der Doppelung: der Titel ist nicht geschützt. | Verwendung weltweit

Die 19jährige Michalina Koscielniak aus Delmenhorst ist 14.1.1998 in Berlin zur neuen „Miss Germany“ gewählt worden. Der 23jährige Adrian Ursache aus Berlin wurde zum „Mister Germany“ gekürt. Insgesamt nahmen 23 junge Frauen und Männer am Finale dieses Wettbewerbs teil.

Viele wären damit zufrieden, aber Adrian Ursache möchte mehr: Er möchte die DDR Volkskammer wiederbeleben und die Souveränität Deutschlands wiederherstellen. Der ehemalige Schönheitskönig gehört zur Reichsbürgerbewegung, einer Bewegung, die immer noch gerne belächelt wird und glaubt, das Deutsche Reich bestehe fort, während die BRD hingegen gar kein Staat sei, sondern mehr so eine Firma, eine GmbH, die von den üblichen Verdächtigen kontrolliert wird, also von Amerika und den Juden. Reichsbürger gründen gerne eigene Mini-Länder, in denen das Deutsche Reich weiterleben darf, geben manchmal sogar eigene Ausweisdokumente heraus und liefern sich Scharmützel mit den Behörden. An jenem Tag im März gelingt es Adrian Ursache tatsächlich die feindlichen Invasoren zu vertreiben. Die mächtigste Waffe des Ministaates Ur: Ein gut acht minütiger, durch Nichts zu stoppender Monolog…

 

Durch dieses Video wird Ursache zum Helden der Reichsbürgerszene. Doch der Triumph ist nur von kurzer Dauer, denn die feindlichen Invasoren kommen wieder. Am Mittwoch verhindert Ursache mit Dutzenden von Anhängern noch eine Zwangsvollstreckung, doch am nächsten Tag macht die BRD GmbH ernst. Es fliegen Pflastersteine, zwei SEK Beamte werden gebissen, es kommt zu einer Schießerei, Adrian Ursache liegt nun schwer verletzt im Krankenhaus.

„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ – Bertolt Brecht

Auch Reichsbürger zitieren gerne den kommunistischen Schriftsteller, sie glauben sich gegen eine Besatzung verteidigen zu müssen und steigern sich in diese Vorstellungen hinein bis zum Wahn. Vor kurzem erst kursierte der traurig-skurrile Fall einer achtköpfigen Familie in den Medien, die vor der „BRD-Diktatur“ nach Russland geflogen war, um dort Asyl zu beantragen – erfolglos. Mittlerweile aber kommt zum Wahn auch eine ordentliche Portion Aggressivität: Im Dezember drohte ein Reichsbürger, mit Kalaschnikows und Panzerfäusten das Kanzleramt anzugreifen. Behördenmitarbeiter, Gerichtsvollzieher und Richter werden immer häufiger von Reichsbürgern bedroht.

Als Xavier Naidoo vor zwei Jahren bei den Reichsbürgern auftrat, da wurde das von vielen als irgendwie sonderbare, aber doch eher harmlose politische Extravaganz abgetan. Spätestens der Fall Adrian Ursache zeigt: Diese Bewegung ist vieles, aber bestimmt nicht harmlos.

 

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