#failoftheweek: Kim, der Chatbot des Maggi-Kochstudios

Social Bots sind quasi künstliche Intelligenz für die Puppenstube: mit einem Chatbot kann man ratschen, vor allem über den Facebook-Messenger. Das Maggi-Kochstudio hat jetzt auch einen Chatbot. Christian Schiffer hat ihn ausprobiert.

Das Maggi Kochstudio: seriös wie die Blend-a-Med-Forschung, freundlich wie der Dentagard-Biber und so wertvoll wie ein kleines Steak. Jahrzehntelang diente es als Werbekulisse, doch irgendwann joggten die Leute nicht mehr mit übergroßen Kaugummi-Verpackungen über der Schulter durch den Park, irgendwann wurde die Rama-Familie erwachsen und irgendwann geriet so auch das Maggi-Kochstudio in Vergessenheit, dieser kulinarischen Sehnsuchtsort, an dem beträchtliche Teile der bundesdeutschen Bevölkerung behutsam herangeführt wurden an Premiumprodukte wie Maggi Fix für Geschnetzeltes, Maggi Fix für Bolognese, Maggi Fix für Gyros und natürlich die berühmte Maggi-Chinapfanne.

In den letzten Jahren schienen sich in etwa so viele Leute für das Maggi Kochstudio zu interessieren, wie für den bedauernswerten Angestellten aus der Obstgarten-Werbung, der an seinem Arbeitsplatz in den Boden eingebrochen war, weil er etwas zu schweres gegessen hatte und deswegen vermutlich heute immer noch im Keller eines schmucklosen Bürogebäudes liegt. Doch nun ist es wieder da, das Maggi Kochstudio.

„Begehbarer Foodblog“

Das neue Maggi-Kochstudio in Frankfurt soll ein “begehbarer Foodblog” sein, lässt der Maggi Deutschlandchef wissen. Und dazu hat Maggi auch einen Song in Auftrag gegeben, voll cool, mit HipHop und so, und mit dem Catchy Refrain “Schmeck it out”!

Auf der Maggi-Seite wiederum gibt es jetzt Foodblogger (Isabella, Anke, Lisa, Nadja und Susanne), die einem Rezepte vorschlagen, die mindestens so cool sounden, wie der Milka-Man:

Pimp your Freeekadelle! Du stehst total auf Frikadellen? Wir zeigen, wie du ein Frikadellen-Brötchen so aufpimpst, dass ein leckerer Chili-Burger daraus wird.

Und es gibt Kim. Kim ist der Chatbot des Maggi-Küchenstudios, denn Chatbots sind total „in“, die CSU hat einen, Opel hat einen, Jägermeister hat einen, Meister Propper hätte bestimmt auch einen, wenn er nicht tagein tagaus damit beschäftigt wäre, hartnäckigsten Schmutz zu entfernen. Auf jeden Fall gehört ein Chatbot heute zu einem hippen Unternehmen wie Maggi eben genauso dazu, wie der Gilette-Rasierer zum Besten im Mann.

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Dabei ist sie echt nett, die Kim. Wo der CSU-Bot Leo einen mit Mems unterhalten will, die ungefähr so witzig sind wie Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer, will Kim helfen.

„Kim, ich will Wurst!“

Wenn man zum Beispiel „Ich will Wurst“ eintippt, dann schreibt Kim: „Rezeptideen kommen sofort. Vielleicht ist hier etwas dabei?“ und schlägt einem bunten Eiersalat vor und informiert darüber, dass der bunte Eiersalat 469 Kalorien hat. Ist natürlich nicht viel, aber doch sehr viel mehr als Tic Tac (ein Dragee =  nur zwei Kalorien!!)

Kim strengt sich wirklich an, sie verweist einen auf die Nestlé-Seite, wenn man ein paar kritische Fragen zur Palmöl-Nutzung hat, sie ist freundlich wie der Melitta-Mann und kompetent wie Dr. Best. Aber ausgerechnet in einer Kernkompetenz versagt sie, nämlich im: „lecker machen“.

„Lecker machen“, das hieß lange Zeit einfach Maggi-Sauce drüberschütten. Generationen von Kindern aus der unteren Mittelschicht sind hierzulande in dem sicheren Wissen aufgewachsen, dass sich die komplizierten Erkenntnisse über den menschlichen Geschmacksapparat letztlich dann doch auf drei simple Regeln verdichten lassen: Regel Nr. 1: Schlechtes Essen schmeckt mit Maggi-Sauce mittelgut. Regel Nr. 2: Mittelgutes Essen schmeckt mit Maggi-Sauce sehr gut und Regel Nr.3: Sehr gutes Essen schmeckt dann am allerbesten, wenn man so viel Maggi-Sauce wie möglich drüberkippt. Aber wenn man Kim fragt: „Was gibt‘s geiles mit Maggi-Sauce?“, dann ausgerechnet verstummt sie, die Kim. Schade. Trotzdem: Merci, dass es Dich gibt.

 

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