#failoftheweek: Die Ideologie hinter den Bitcoins – und was die AfD damit zu tun hat

Alice Weidel als Speakerin auf einer hippen Blockchain-Konferenz? Die Einladung an die AfD-Frontfrau hat diese Woche viele empört. Dabei haben Alice Weidel und die Blockchain mehr miteinander zu tun, als man vielleicht zunächst denkt. Und um das zu verstehen, muss man erstmal einen Ausflug unternehmen: nach Liberland.

Sie klingt ein wenig nach Pokemon und Star Wars, aber immerhin: eine bombastische Hymne gibt es schon, so wie sich das für einen echten Staat ja auch gehört. Die Hymne gehört zur „Republik Liberland“, ein Scheinstaat, der im April 2015 im Niemandsland zwischen Serbien und Kroatien gegründet worden ist. Der Präsident von Liberland ist ein gewisser Vít Jedlička, ein führendes Mitglied der libertären tschechischen Kleinpartei Partei freier Bürger. Die Fahne von Liberland ist gelb mit einem schwarzen Strich in der Mitte, das Gelb steht für den freien Markt und Schwarz vor Rebellion. Kein Zweifel: Liberland ist gedacht als libertäre, anarchokapitalistische Musterrepublik. Steuern werden selbstverständlich keine erhoben, ganz im Gegenteil: erklärter Staatszweck ist sogar die Schaffung einer Steueroase.

Und hier kommen auf dem langen Weg von Liberland bis zu Alice Weidel die Bitcoins ins Spiel: Fast eine halbe Million Menschen sollen bereits die Staatsbürgerschaft von Liberland beantragt haben, die Gebühr liegt bei 10.000 Dollar, die man natürlich in Bitcoin überweisen soll, denn Bitcoin ist die offizielle Währung von Liberland – klar, was sonst. Denn Bitcoin elektrisiert nicht nur russische Drogenhändler und Zocker, sondern auch Libertäre auf der ganzen Welt, darunter auch John McAfee, den schillernden Entwickler der gleichnamigen Anti-Virensoftware.

Crypto-Währungen und die Blockchain-Technologie passen zum Libertarismus wie Faust auf Eimer. Dass sie staatliche Regulierung unmöglich machen könnten, ist die Hoffnung von John McAfee und anderen Libertären. Natürlich hat John McAfee Bitcoins und ein Bitcoin wird seiner Meinung nach Ende 2020 schon eine Million Dollar wert sein.

Was entrepreneurt Alice Weidel bei der Blockchain-Konferenz?

Wenn das tatsächlich eintritt, dann dürfte auch Aaron König Kasse machen, das ehemalige Mitglied der Piraten-Partei ist voll dabei beim Crypto-Boom, er hat ein Buch über Bitcoin und die wirtschaftsliberale „Wiener Schule“ geschrieben und organisiert die einschlägige Unchain-Konferenz. Aaron König ist und da ist er bei Weitem nicht der einzige in der Community, erklärt er in einem Interview. 

„Nicht jeder Libertäre hat Bitcoins und nicht jeder Bitcoiner ist libertär, aber die Schnittmenge ist schon sehr sehr groß, auf jeden Fall“

Für manch einen ist der Libertarismus die böse Schwester der Liberalismus. Viele Libertäre betrachten Steuern als Diebstahl, wollen den Staat auf ein Minimum zurückfahren, Drogen legalisieren und Waffen natürlich auch, die Ideologie ist vielleicht nicht per se rechts, aber durchaus nach rechts offen. Das zeigte sich auch diese Woche, als bekannt wurde, dass Alice Weidel auf die von Aaron König mitorganisierte Unchain-Konferenz eingeladen wurde – und zwar als Speakerin. In der Ankündigung firmierte AfD-Frontfrau unter „Bitcoin-Entrepreneurin“, was sie da aber genau entrepreneurt, das ist nicht ganz klar, vielleicht irgendwas mit Start-Ups, vielleicht aber auch gar nichts.

Lasst uns auf die Ideologie hinter dem Bitcoin-Boom schauen

Gegen die Einladung von Alice Weidel regte sich Protest, mittlerweile hat die AfD-Fraktionsvorsitzende wieder abgesagt, angeblich aus Termingründen. Klar ist hingegen, dass Alice Weidel dem Bitcoin und der Blockchain-Technologie wohlwollend gegenüber steht. 

Der Bitcoin als Ersatz für die „Schrottwährung“ Euro, so Alice Weidel im August 2017 auf einer Veranstaltung in Leipzig. Das war noch vor dem Crypto-Boom, zu einer Zeit, in der Bitcoin wieder mal so ein obskures Nerd-Ding war, das niemand verstand. Heute ist das anders, Crypto-Währungen kommen gerade im Mainstream an, an die Blockchain-Technologie werden hochfliegende Erwartungen geknüpft. Dass dem Boom auch eine bestimmte Ideologie einprogrammiert ist, das spielt in der öffentlichen Debatte bislang kaum eine Rolle. Das sollte sich ändern, sonst ist Liberland vielleicht irgendwann überall.

 

 

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