#failoftheweek: Wenn Doro Bär über Flugtaxis spricht, sollten wir alle lieber auf dem Boden bleiben

Dorothee Bär (CSU) wird als Staatsministerin für Digitales in die GroKo-Bundesregierung einziehen. Im ZDF-Interview mit Marietta Slomka redete sie von Flugtaxis. Das brachte ihr Spott und Häme ein. Dabei hätte man über andere Sachen reden müssen, findet Christian Schiffer.

Tja, und dann war es passiert: Dorothee Bär, CSU-Politikerin und künftige Staatsministerin für Digitalisierung hat diese Woche im Eifer des Interview-Gefechts „Flugtaxis“ gesagt. Flugtaxis! Einfach so! Und das war Grund genug für das Internet drei Tage lang quasi zu durchzuLOLlieren.

https://twitter.com/dunjahayali/status/970940490232279040

Eigentlich könnten wir ja froh sein, dass wir es noch erleben dürfen, dass eine Politikerin ein wenig weiter denkt, als nur bis zur nächsten Legislaturperiode. Eigentlich könnten wir ja froh sein, dass eine Politikerin sich jetzt schon Gedanken über etwas macht, das vielleicht erst in fünfzehn oder zwanzig Jahren relevant sein könnten. Eigentlich könnten wir ja froh sein, dass eine Politikerin wegen ein paar Flugtaxi-Visionen nicht gleich zum Arzt rennt. Stattdessen heißt es nun, Frau Bär hätte zu viele Science Fiction-Filme gesehen, dabei sollte man eher hoffen, dass Frau Bär eine ganze Menge Science Fiction Filme gesehen hat.

Denn dann wüsste sie, dass der Planet sich in Bladerunner in einem recht beklagenswerten Zustand befindet, woran doch auch Flugtaxis nichts ändern. Kein Wunder: Ein Auto in die Luft zu hieven und dann ein paar Meter weit damit zu fliegen scheint nicht gerade die aller energieeffizienteste Art zu sein, sich fortzubewegen.

Teleshopping statt Glasfaser

Vermutlich war es wirklich etwas unglücklich von Dorothee Bär auf die Frage nach dem Netzausbau irgendwas von Flugtaxis zu erzählen. Dabei ist eigentlich der Netzausbau ein gutes Beispiel dafür, welchen Schaden kurzfristige, visionslose Politik anrichten kann. Wenn es um schnelles Internet geht, dann steht Deutschland heute weltweit auf Platz 25. In der Fußballweltrangliste steht auf Platz 25 Costa Rica, Deutschland ist in Sachen Internet also das, was Costa Rica im Fußball ist – bestenfalls Mittelmaß. Dabei hatte die sozialliberale Koalition 1981 bereits den Glasfaserausbau beschlossen, Helmut Schmidt wollte Glasfaser-Weltmeister werden. Doch dann kam die Regierung Kohl, beendete diesen Scifi-Quatsch und lies stattdessen lieber Kupferkabel verlegen, um Kabelfernsehen zu fördern. So bekamen wir statt schnellem Internet eben Teleshopping. Na, schönen Dank auch:

Man kann Dorothee Bär sicherlich misstrauisch gegenüberstehen, man kann ihre Äußerungen zum Datenschutz als fragwürdig empfinden oder bezweifeln, dass sie den Lobbyinteressen ausreichend Contra gibt. Aber wegen der Flugtaxis, muss man nicht in die Luft gehen.

 

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