Egal, was alle sagen: Nein, Daten sind nicht das Öl des 21. Jahrhunderts!

Dieser Satz scheint in aller Munde: „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.“ So heißt es immer wieder. Aber das ist absoluter Quatsch, findet Christian Schiffer – und hat einen Vorschlag für eine treffendere Metapher.

„Daten sind der Rohstoff der Zukunft“, so beschwört es Angela Merkel immer und immer wieder. Und natürlich nicht nur sie: Unternehmer, Politiker, Silicon Valley-Kritiker, Bayern 2- Feuilletonisten – so ziemlich jeder.

Sie alle greifen immer wieder zu dieser griffigen Formulierung, darunter natürlich auch der ehemalige Digitalkommissar Günther Öttinger: „Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts.“ Das ist DER Powersatz des Digitaldiskurses, knapp gefolgt von der Schlaubi-Schlumpf-Erkenntnis „Wenn etwas kostenlos ist, bist Du das Produkt“. Natürlich wird das mit den Daten als Rohstoffen immer ein wenig variiert. Gerne sind Daten das „Gold der Zukunft“, etwas seltener die Kohle der Zukunft, gefühlt am häufigsten aber sind Daten das Öl der Zukunft, oder wer es – wie etwa im Europaparlament noch spezifischer haben möchte – der sagt „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts“.

Das Problem an dem Satz: Er ist ziemlicher Quatsch

Klar, früher hat man Geld mit Öl verdient, heute verdient man Geld mit Daten. Herzlichen Glückwunsch zu dieser verblüffenden Erkenntnis. Aber im Großen und Ganzen war es das dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn abgesehen davon, dass man Daten nicht anfassen, anzünden oder zu Kunststoff verarbeiten kann, dass Daten weniger Umweltprobleme verursachen, keine Autos in Bewegung setzen können und um Daten vielleicht Cyber – aber keine herkömmlichen Kriege geführt werden, abgesehen davon ist Erdöl eine endliche Ressource – Daten aber nicht. Und ein Öltropfen kann nur einmal verbraucht werden, dieselben Daten hingegen können vor mehreren Menschen, Unternehmen, Algorithmen verwendet werden und das sogar gleichzeitig.

Die Öl-Metapher bringt aber noch ein anderes Problem mit sich. Diese Woche etwa empfahl der Deutsche Städte- und Gemeindebund den Kommunen die Daten der Bürger doch einfach zu verkaufen, denn „Auch die Städte und Gemeinden müssen sich noch mehr klar machen, dass Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind und sich damit wichtige Einnahmen erzielen lassen“.

Daten sind aber eben keine Ware wie Kohle, Gold oder Öl, denn sie gehören erst einmal uns. Wir können Unternehmen oder Gemeinden erlauben, sie zu nutzen. Wenn sie aber verkauft werden wie an einer Tankstelle, dann ist das ein Problem.

Nicht jedes Bild, das sich gut anhört, ergibt auch Sinn

Deswegen werden wir jetzt ganz offiziell die „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts“-Metapher ins Weltall schieben – wie Nacktschneckenschleim um Mitternacht in Richtung Vollmond, um eine Warze loszuwerden. Wir müssen ran an dieses schiefe Bild, am besten mit dem Vorschlaghammer jeden Vokal einzeln filetieren. Man sollte es in einem Maßkrug voller Brent-Rohöl ertränken – und dann ein neues Bild finden, eines, dass besser passt.

Vielleicht ist es ja diese Metapher hier: „Daten sind das Bier des 21. Jahrhunderts“. Daten können in den falschen Händen großes Unheil anrichten und Bier ja auch. Bier ist ein GRUNDnahrungsmittel und für Daten gibt es auf EU Ebene jetzt die Datenschutz-GRUNDverordnung. Wer Daten ohne unser Wissen zu Profilen zusammenpantscht, der sollte sich bitteschön an Regeln halten müssen. Wie der Bierbrauer an das Reinheitsgebot. Sonst geht das den Bach runter wie Öl.

 

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