#failoftheweek: IOC und DFB blamieren sich mit Arroganz und Misstrauen bei der eSport-Debatte

Die Deutschen Sportverbände ringen um eine Haltung zum eSport. Der DFB-Präsident Reinhard Grindel hält eSport für eine „Verarmung“ und möchte wenn dann nur eSoccer unterstützen. IOC-Präsident Thomas Bach wiederum warnt davor, sogenannte Killerspiele olympisch werden zu lassen. Es ist eine seltsame Debatte, die gerade stattfindet und die geprägt ist von mangelnder Fantasie, Arroganz und Vorurteilen, sagt Christian Schiffer.

Fußball hat also mit anderen Dingen, die computermäßig sind, nichts zu tun, das sagte vor einigen Wochen DFB-Präsident Reinhard Grindel dem Weser Kurier. Es ging um eSport und die Frage, ob eSport sportmäßig genug ist, um wirklich Sport zu sein. Letzte Woche nun hat der DFB die ganze Sache noch einmal diskutiert mit dem Ergebnis: Der DFB will eSport unterstützen, aber natürlich nur die Art von eSport, die fußballmäßig genug ist, um vom DFB unterstützt zu werden. Da hat der DFB dann gleich ein neues Wort kreiert, das ganz schön zukunftsmäßig klingt, der DFB möchte nämlich in Zukunft eSoccer unterstützen. Damit gemeint sind wohl Fußballsimulationen wie FIFA oder Pro Evolution Soccer, ob aber zum Beispiel Rocket League darunter fällt, ist nicht so ganz klar. Rocket League wird zwar auch auf Turnieren gespielt, es geht auch in Rocket League darum einen Ball in ein Tor zu bugsieren, man kann Volleyschüsse anbringen und manchmal das runde Spielgerät gerade noch so von der Linie kratzen, allerdings hetzen hier statt kleiner Fußballer Science Fiction-Autos über den Platz. Ja, bei Rocket League handelt es sich um Autofußball und das ist vermutlich dann doch zu wenig fußballmäßig für die Puristen beim DFB.

Seit geraumer Zeit ringen die herkömmlichen Sportverbände nun schon um eine Haltung zu elektronischen Sportarten. Denn eSport boomt, eSport kommt bei den jungen Leuten an und vor allem lässt sich mit eSport immer mehr Geld verdienen. Deswegen haben Fußballvereine wie Schalke 04, VfL Wolfsburg, der 1. FC Nürnberg oder Paris Saint Germain eSport-Teams gegründet. Und der FC Bayern Basketball hat diese Woche erst die FC Ballers Gaming gegründet, ein eBasketball-Team quasi, dass vermutlich bald Liga 1 in der Wortspielhölle aufmischen wird.

Der eSport hat sich in den letzten Jahren so sehr professionalisiert, dass er dem traditionellen Sport in vielem gleicht: Es gibt hohe Preisgelder, volle Stadien, Dopingfälle, Dopingkotrollen und Wettskandale. Bei den Asienmeisterschaften soll eSport zu den Demonstrationssportarten gehören, zurecht, denn League of Legends oder Dota können genauso schweißtreibend sein wie Schach, Sportschießen, Dart oder Curling.

Zudem benötigt die olympische Bewegung wirklich dringend neue Impulse. Sogar die große Koalition in Berlin will sich dafür einsetzen, dass eSport olympisch wird. Die Verbände allerdings zeigen sich hierzulande wenig enthusiastisch. Thomas Bach, der Präsident des Internationalen olympischen Komitees warnte letztens vor „Killerspielen bei Olympia“, ganz so, als hätten wir noch das Jahr 2009: „Sie können nicht als Teil der olympischen Bewegung angesehen werden, weil sie gegen unsere Werte und Prinzipien sind“.

Es geht vermutlich – wie sollte es anders sein – wieder einmal um Counter Strike, ein Ego-Shooter, in dem man auf virtuelle Pixel-Kameraden schießt. Nun sind allerdings auch nicht-computermäßige Sportarten nicht automatisch friedfertigen Ursprungs, Boxen oder Sportschießen sind nicht gerade Ghandi-Disziplinen und gerade Thomas Bach sollte das wissen, schließlich hat er auch mal bei Olympia Gold geholt – 1976 war das, in der Killersportart Fechten.

Und so ist die Debatte über eSport eine Debatte, die so deutsch geführt wird, wie nur irgendwie möglich. Eine Debatte, die geprägt ist von Misstrauen, Arroganz und einer Bräsigkeit, die sich anfühlt nach Sprossenwand, Magnesiumkorb und Felgaufschwung und ein wenig riecht Weichbodenmatte riecht. In Sachen eSport in Deutschland wäre es wirklich mal an der Zeit, dass sich was dreht.

 

Kommentieren:

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  1. He, Meister Schiffer, dann bitte auch Kreuzworträtseln olympisch!
    😉
    Dieses Tastendrücken ist wohl ein cooles Geschicklichkeitsspiel, das viel Wissen und Übung erfordert, aber das ist auch schon das einzige, was es mit Sport gemein hat. Sport hat doch was mit körperlicher (Höchst-)Leistung zu tun, und die ist bei der Elektro-Daddelei doch eher nicht gegeben.
    In meiner Fantasie taucht da ein in einer dunklen Ecke mit Pizza, Pommes und Cola fettgefressener 170kg-Nerd auf, der dann auf dem Treppchen steht und eine Medaille umgehängt bekommt.
    ;-)))
    „Eine Debatte, die geprägt ist von Misstrauen, Arroganz und einer Bräsigkeit, …“ ?
    Also mindestens Arroganz ist auch eine wesentliche Zutat für den Kommentar von Herrn Schiffer. Bisschen mehr Maß halten und nicht so kreischlaute Töne absondern, bitte.

    • Hallo Herr Ich,

      Was genau hat ESport denn mit Kreuzworträtsel zu tun? Der Geschicklichkeitsaspekt scheint mir beim Lösen von Kreuzworträtsel eher nebensächlich zu sein.

      Und wo genau vermuten Sie Sie beispielsweise beim olympischen Soortschießen eine körperliche Höchstleistungen?

      Ihr Fantasie in allen Ehren, aber mit der Realität hat sie nichts zu tun. Den Hinweis werden Sie vermutlich erneut als arrogant empfinden, aber egal: Ich empfehle Ihnen, sich mit dem körperlichen Zustand von professionellen ESportlern vertraut zu machen.

      Mit freundlichen Grüßen

      Christian

      • Offenbar ist der Kollege nicht erfreut über Kritik an seinem Kommentar. Gerne laut tönen, aber mit ‚mimimi‘ antworten, wenn jemand anderer Meinung ist… Wer meinen Beitrag verstehen will, wird das aber schaffen.
        Insofern erneut zur Sache: Für mich ist schon die Wortwahl falsch – das sind keine eSportler, sondern Gamer. Die sollen gerne ihre Wettbewerbe haben, aber bei Olympischen Spielen und allgemein im Bereich des Sports haben sie, wie ich finde, ebenso wenig zu suchen wie Schachspieler, Kreuzworträtsler (!) und Kopfrechenkünstler,
        Stapelbecher-Kids und Hütchenspieler. Das ist schlicht und einfach eine andere „Branche“.
        Insofern steh ich auf der Seite derjenigen, die Daddeln am Bildschirm nicht als Sport betrachten – auch wenn das Niveau noch so hoch ist,.Die möglicherweise durchgeschwitzte Unterwäsche der Gamer und entzündete Sehnen an Daumen oder Zeigefinger interessieren mich in dem Zusammenhang nicht.
        Schießen ist übrigens auch nicht so meine Lieblingssportart (obwohl ich auf zehn Meter immerhin zuverlässig das Schwarze treffe), aber das Gewehr hat ein anderes Gewicht als eine PC-Maus!
        Ich fürchte, wir kommen da nicht auf einen gemeinsamen Nenner.

        • Ich kann Ihnen versichern, dass wir da nicht so schnell auf einen Nenner kommen.
          Ich kann auch bei mehrmaligen Lesens kein „mimimi“ in meinem Kommentar erkennen. Es scheint mir eher so zu sein dass sie halt ein bisschen um sich schlagen weil ich Sie auf die Widersprüche in Ihrer Argumentation hingewiesen habe. Immerhin sind wir uns dahingehend einig, dass Schießen nicht unser Lieblingssport ist, auch wenn wir die körperliche Verausgabung, die mit dem Ziehen eines Abzugs einher geht, offenbar unterschiedlich einschätzen.

          • Naja, wenn ich das ‚mimimi‘ abhandeln lasse, bleibt immer noch die Arroganz.

          • Mit dem Vorwurf der Arroganz bin ich nicht einverstanden, aber ich kann damit immerhin doch ein klein wenig besser leben, als mit dem Vorwurf zu mimimien.

  2. Ich glaub ein grundliegendes Problem dieser ganzen esport-Debatte ist, das die Pro- und Kontraseite zwei völlig verschiedene Sachen als Grundlage ihrer Argumentation sieht. Die Pro-esport Seite betrachtet richtigerweise das Computerspielen des Spitzensports und dort kommen enorme physische und psychische Belastungen zum tragen, welche man nur erkennt wenn man sich mit der Materie befasst. Die Kontra-esport Seite betrachtet den Hobby-Spieler, der sich dabei versucht zu entspannen. Beide Seiten haben recht mit ihren Argumenten, bloß betrachten sie nicht das selbe.
    Nur weil ich auf dem Weg zur Arbeit bin, betreibe ich noch lange keinen Motorsport und so muss man auch den esport vom Hobby getrennt betrachten.

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