Von wegen #vanlife – Camping ist die Hölle!

Manchmal liegen Traum und Alptraum ganz nah beieinander: Zum Beispiel liegt mein Traum von Freiheit, Naturverbundenheit und sonnigem Hippie-Lebensgefühl ganz nah an der Spießerhölle. Bestehend aus riesigen Wohnmobilen, in Plastik geschweißtes Qualfleisch und schlecht gelaunten Senioren-Pärchen. Von Laura Freisberg

Seit meiner Teenagerzeit wünsche ich mir einen VW-Bus – seit Jenny aus „Forest Gump“ darin aus ihrem Kaff abgehauen ist. Wie schön muss es wohl sein, wenn man jederzeit irgendwo anhalten kann – sei es an einem einsamen Strand, einem türkis funkelnden Bergsee oder einfach mittendrin im Grün des Waldes? Das Zuhause, bzw. ein Bett und eine Kochplatte, immer dabei. Einschlafen unter den Sternen, aufwachen mit dem Blick aufs Meer oder die Berge! Und malerisch auf den heißen Kaffee in der Emaille-Tasse pusten, während es langsam wärmer wird.

Eigentlich dachte ich, dass man für ein paar tausend Euro schon so eine alte Möhre bekommt. Zumindest war das früher so. Aber: Überraschung: VW-Busse – auch andere Marken – sind derzeit unfassbar in – und teuer. Der Händler, bei dem wir schließlich einen T4, Baujahr 1995 kaufen, erklärt uns, dass er den Bus in ein paar Jahren auch wieder zurücknehmen wird. Für einen ähnlichen Preis.

Der perfekte Traum – natürlich mit Instagram-Filter

Hätte ich vorher mal auf Instagram oder in die Lifestyle-Outdoor-Magazin „Walden“ geguckt, dann hätte mir schon schwanen können, wie viele andere tausend Menschen ganz ähnliche Sehnsüchte wie ich haben. Unter #vanlife finden sich über drei Millionen Posts. Die erfolgreichen Fotos unter ihnen sind sich bei genauer Betrachtung ziemlich ähnlich: Atemberaubende Berg- oder Meeraufnahmen, dazu ein hübsches weißes, heterosexuelles Pärchen – manchmal mit Hund. Meist sie im Bikini, in akrobatischen Yoga-Verrenkungen vorm Bus. Er so ein Großstädter, der sich als Holzfäller verkleidet hat. Der Bus ist ihr Zuhause – und sie schwärmen darüber, wie toll ihr neues, freies Leben ist: Sie “genießen den Moment ”, “leben einen Traum ” und “wagen die Reise zu sich selbst ”. Alles überzogen mit dem perfekten Filter. Und manchmal ist in den durchkomponierten Bildern noch Platz für Productplacement.

Die Realität schaut natürlich anders aus. Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was der Urlaub sein soll beim Campingurlaub: Man haut sich unzählige Male den Schädel an, bis man kapiert, dass hier wirklich alles so klein und eng ist. Bevor man kocht, sollte man aufräumen, wenn man nicht mit einem achtlos rumliegenden Schal den Bus abfackeln will. Man ist immer am Wegschieben, umbauen, auspacken, einpacken. Ruhe und Rückzug? Fehlanzeige.

Der Campingplatz ein einziger Parkplatz

Wenn wir unsere Heckklappe öffnen, schauen wir auf die Rückseite eines anderen Wohnmobils – so groß wie ein LKW  –  oder auf die schlecht gelaunten Gesichter unserer Nachbarn aus Osnabrück oder auf die zwei Jungs aus Augsburg, die ihre Fahrradklamotten zum Lüften aufgehängt haben. Und dann kann man noch froh sein, wenn man nicht neben einem dieser sonnenverbrannten Exhibitionisten gelandet ist. Der Campingplatz sieht aus, wie ein einziger Parkplatz – auf dem abends alle in ihren Klappstühlen sitzen und Fleisch aus Plastikfolien auf ihren Grill schmeißen.

Vanlifers sind natürlich immer am richtigen Ort

Ein Abgleich mit Instagram: Die Vanlifers stehen natürlich nie auf einem Campingplatz. Sondern immer irgendwo in der Wildnis. Mal abgesehen davon, dass das ja gar nicht unbedingt erlaubt ist – wenn das jetzt alle machen, dann ist es mit der unberührten Natur halt auch vorbei: Wenn die zwei hübschen Menschen von Instagram einfach so auf den Waldboden defäkieren, naja. Vielleicht graben sie vorher ein Loch. Aber bei ein paar hundert Leuten? Aber ich gebe meinen Traum nicht auf: Bei der nächsten Tour finden wir ihn vielleicht: Den Ort mit nur wenig anderen Menschen und ganz viel Natur. Aber Instagram erfährt davon nichts.

Aus der Zündfunk-Sendung vom 19.7.2018, 19:05 Uhr auf Bayern 2

 

Dr. Söder, der Markus und die Tiere – die Selbstdarstellung des Ministerpräsidenten

Flüchtlinge, Asyl, Grenzen… da kommt der Mensch hinter dem Politiker viel zu kurz. Deshalb war der bayerische Ministerpräsident grade auf “Markus Söder persönlich” Tour. Sandra Limoncini war auch dabei. 

Die Menge tobt, Markus Söder strahlt. Heimspiel. Er sitzt in Rosenheim im örtlichen Kino vor Freunden, Parteigenossen aus alten Tagen und CSU Wählerinnen. Während seiner Reihe „Markus Söder persönlich“ tritt er in verschiedenen Städten und Gemeinden auf und bietet, den Ministerpräsidenten „zum Anfassen“. Aber hier sind nicht nur potentielle Wähler, sondern Fans.

Für seine Anhänger kniet sich Markus Söder rein – und es menschelt ganz doll: Er erzählt ihnen vom Tod seiner Mutter, seines Vater – und was das alles mit ihm gemacht hat. Warum ihm sein christlicher Glaube hilft und – zack ist das der perfekte Einstieg für sein nächstes politisches Thema: Ob der Islam zu Bayern gehört.

Perfekte Selbstinszenierung

Markus Söder arbeitet an der perfekten Selbstinszenierung: auf der Bühne und bei Social Media.

https://www.instagram.com/p/Bk7vU5AHZcB/?hl=de&taken-by=markus.soeder

Für seinen Instagram-Account gibt es jeden Tag mindestens ein Foto. Auf seinem Twitter-Account hat er seit August 2012 rund 2.000 Tweets verfasst und auf Facebook hat er rund 70.000 Fans. Wer ihm online folgt erfährt: Markus Söder ist Star Wars Fan, lichtet sich gerne mit Promis ab, vermisst seine Mutter und ist Fan des 1. FC Nürnbergs. Weiterhin, liebt er seine Hunde, seine fränkische Heimat, fährt regelmäßig Fahrrad, liebt Würschtel, Fasching und Bier, mag Pferde und andere Tiere. Hauptsache Tiere. „Ich liebe Tiere,“ erzählt er uns im Interview. „Ich bin ein Tierfreund, Hunde beispielsweise, ich finde Pferde total beeindruckend. Meine Frau ist Reiterin, ich finde einfach Tiere schön ich mag Tiere sehr gern. Ich hab auch früher Patenschaften gemacht im Tierheim, für Tiere die zurückgegeben wurde, weil mir das in der Seele weh getan hat.“

Insgesamt hat er seit April 2015 bei Instagram 20 Pferdebilder veröffentlicht und 17 Hundefotos. Ok, er besitzt zwei Jagdhunde. Bella und Fanny, die dürfen natürlich mit ihm Wahlkampf machen. Exotische Tiere gibt‘s erstaunlich wenige. Drei Löwen, zwei Delphine und Elefanten, aber nur einen einzigen Pinguin. Söder will sich zeigen und geht davon aus, dass seine Anhänger das auch so wollen. Er postet Filme von sich, selbst dann, wenn er eigentlich frei hat.

Zeit zum Nachdenken #spazieren #sonntag #wochenende #nürnberg

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Pressetermin mit Pferd

Markus Söder, bei einem Pressetermin am 8. Juni in München Riem, bei der berittenen Polizei. Er streichelt und tätschelt das in der Box stehende Pferd, das völlig ungerührt von dem ganzen Presserummel versucht, Söders Jackett aufzuessen. Die Journalisten sind daraufhin abgelenkt, und sofort zieht er mit witzigen Sprüchen über die Neugier des Polizeipferdes die Aufmerksamkeit wieder auf sich. Auch dieser Auftritt wird natürlich gleich bei Instagram gepostet.

https://www.instagram.com/p/Bj6zJxBHCTt/?hl=de&taken-by=markus.soeder

Diese Flut an Informationen, Nachrichten und Fotos postet er alleine, versichert er im Interview. „Ja, ich mach praktisch alles alleine und das geht auch jederzeit, das ist auch gar nicht so schwer, denn wenn man mal unterwegs war, dann kann man das sofort einstellen, das geht eigentlich ganz einfach.“ Die Staatskanzlei hat uns in einem Telefonat mitgeteilt, dass Markus Söder sich bei der Veröffentlichung seiner ganzen Posts, Fotos und Tweets Unterstützung holt. Es gäbe keinen bereit gestellten Apparat, der in seinem Namen Nachrichten verbreitet, aber natürlich könne er nicht jedes seiner Fotos selbst machen. „Ja, klar es gibt auch andere, die machen ein Foto, die schicken mir auch ein Foto. Heute hab ich z.B. ein Foto mit Ilse Aigner drin gehabt, das hat sie gestern gemacht, hat sie mir geschickt. Aber ich hab‘s eingestellt und der Text stammt auch immer von mir. Also jeder der sich freut, ja es ist von mir und jeder der sich ärgert, es ist leider auch von mir.“

Selbstausbeutung?

Markus Söder ist immer auf Sendung. Das kann daran liegen, dass er rund um die Uhr arbeitet, aber auch daran, dass er bei seiner Selbstoptimierungskampagne keinerlei Regulationsmechanismen mehr hat: all seine Softskills werden sofort für sich und seine politische Position genutzt. Wenn man so will betreibt der Mann seine eigene Ausbeutung.

Energie tanken für die anstehenden Herausforderungen… #bayern

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Markus Söder mit Hut, leicht atemlos, vom Spaziergang in der guten bayerischen Heimatluft, gibt sich naturverbunden. Wenn man bedenkt, dass er als bayerischer Heimatminister den Weg bereitet hat, landwirtschaftliche Flächen großzügig in Gewerbegebiete umwandeln zu lassen, sprich: mit seiner Hilfe jeden Tag Flächen so groß wie 20 Fußballfelder zubetonieren und versiegeln zu lassen, möchte man ihm den Hut vom Kopf reißen und ihn damit verhauen.

Und da ist er wieder, diesmal ohne Hut, aber dafür mit Pathos und seinem Fahrrad. Er ist die perfekte Politiker-Maschine. Entweder er ist hochintelligent oder er hat sehr gute Berater. Oder beides. Eines ist sicher: Dieser Mann will mehr.

 

Vier Modetrends, die wir verpasst haben – und die wir in den nächsten Jahren wieder verpassen dürfen

Vokuhila ist wieder in? Und Jogginganzüge? Hier eine Liste der Toptrends, die völlig an uns vorbei gegangen sind. Zurecht, denn: What looks good today, may not look good tomorrow. Von Maria Fedorova

Nummer eins: Vokuhilas

Ein großer Vokuhila-Vorreiter war ein erhabener Außerirdischer: David Bowie. Als Ziggy Stardust trug er die markante Frisur vorne kurz, hinten lang. Das alles in einer rötlich-orangenen Farbe, dazu noch das abgespacte Make-up. Die 80er Jahre haben Vokuhilas dann auf die Erde gebracht: unter die Manta-Fahrer und Iron Maiden-Fans. Die Serie „Stranger Things“ hat den „VoKuHiLa“-Stil im Pop aufgewärmt. Endgültig reanimiert wurden Vokuhilas aber letztes Jahr von hyper-hippen Kunststudenten. Die sorgfältig geschnittene Frisur sollte dabei trotzdem ungepflegt ausschauen und damit doppelt-subversiv wirken.

Nummer zwei: Nokia-Handys

Der einst wichtigste Handyhersteller Nokia hat den Einstieg in den Smartphonemarkt verpasst – und hat beschlossen verstärkt auf die Tech-Nostalgie zu setzten. So wurde das 8810-Modell neu rausgebracht, besser bekannt als ein „Matrix“-Handy. Ein Muss für alle, die Nein zum Silicon Valley sagen und allen zeigen wollen, dass sie die Codes des Cyberpunk richtig verstehen. Dumm nur, dass Nokia als cooles Accessoires nur dann funktioniert, wenn man ein Smartphone dabei hat. Oder wie sonst werden Fotos mit dem hippen Slide-Handy auf deinem Instagram-Account landen?

https://www.instagram.com/p/BZN1dBLHb8c/?tagged=flipphone

Nummer Drei. Die post-sowjetische Ästhetik

Lange galt Russland in Sachen Mode als Terra Incognita. Das hat sich aber geändert: Rapper wie Ufo361 und Olexesh feiern die Ästhetik der russischen Skater: Hammer und Sichel und die kyrillische Schrift auf T-Shirts, Jogginghose, Gürteltaschen und kahl rasierter Kopf. Besonders Trendbewusste rasieren sich das Adidas-Logo in die Haare und erinnern damit an russische Gopniks. Gopniks sind ein bisschen Punk, ein bisschen Hooligans, sie haben ein Faible für Trainingsanzüge, sitzen am liebsten den ganzen Tag in der Russenhocke und signalisieren damit: Mit uns legt man sich besser nicht an. Dieser post-sowjetische Brutalismus scheint eine magische Anziehungskraft zu haben. Kann aber auch sein, dass sich alle nur freuen, dass die saubequemen Jogginganzüge modisch rehabilitiert wurden.

photo by: @konstantin_vekhov #gosharubchinsky

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Nummer vier: Aufgespritzte Lippen

In den USA hat der Boom der Schönheits-OPs hat einen inoffiziellen Namen bekommen: Der Kardashian-Effekt. Fans von Kylie Jenner lieben ihre Lippen und wollen die gleichen haben. Der „Do it yourself“-Wahnsinn ist ausgebrochen. Frauen wie Männer haben angefangen, sich die Lippen selbst aufzupumpen: Zuhause, mithilfe einer Flasche, die man ansaugt und so Unterdruck erzeugt. Die verstörenden Videos und Bilder der wunden Lippen wurden im Netz unter dem Hashtag „Kylie Jenner Lips Challenge“ geteilt. Der Hype wurde aber schnell durch sein Gegenteil abgelöst: Der Natural Look, also ohne Make-up, dafür aber mit einer Sheet Mask, einer wertvollen Gesichtsmaske. Das klingt aber jetzt auch schon wieder ab – zum Glück!

Merke: What looks good today, may not look good tomorrow

Hype hin – Hype her: Alles wird in in der Mode als Revolution verkauft. In Wirklichkeit funktioniert es bloß nach der alten Regel: What looks good today, may not look good tomorrow. Und andersrum…

 

Drei Gründe, warum Childish Gambino das beste Musikvideo des Jahres gemacht hat

Der US-Alleskönner Donald Glover alias Childish Gambino beherrscht mit seinem Musikvideo „This Is America“ gerade das Internet. Nach zwei Tagen hat es bereits 30 Millionen Abrufe. Gambino zeichnet darin in nur 4 Minuten ein so präzises wie verbittertes Bild der gesellschaftlichen Wirklichkeit von Afroamerikanern in den USA. Das Musikvideo ist ein geniales Meisterwerk, sagt Alba Wilczek und erklärt warum.

Eine Lagerhalle, ein afroamerikanischer Mann tanzt oben ohne zu Gospelmusik. Kurz darauf bleibt er stehen, zieht eine Waffe und schießt seinem Gitarrenspieler in den Kopf. Der fällt tot vom Stuhl und aus Gospel wird krasser Trap. Boom. So startet das Musikvideo von „This is America“. Der Afroamerikaner mit der Waffe ist der Musiker und Künstler Childish Gambino, sein krasser Charakter im Video soll den weißen Teil der amerikanischen Gesellschaft verkörpern, von dem immer noch und immer wieder schwarze Landsmänner unterdrückt und manchmal umgebracht werden.

Childish Gambino heißt eigentlich Donald Glover und ist ein Alleskönner: Wenn er nicht gerade den Grammy gewinnt,  spielt er in Filmen mit oder dreht seine eigene Serie. In „Atlanta“, für die Glover sowohl vor als auch hinter der Kamera steht, zeigt er die Vielfalt schwarzer Lebensentwürfe in Amerika. Dafür hat es viele Golden Globes und Emmys geregnet. Kein Wunder: Der Typ ist einfach genial. Und immer on point. Besonders mit seinem neuen Track. Das Internet spricht seit gestern über nichts anderes. Warum?

Grund 1: Die Lyrics erzählen in aller Drastik von der Situation der Afroamerikaner in den USA

Donald Glovers Text erzählt, wie es eben so ist als Schwarzer in Amerika.

„Nicht, dass ihr da was falsch versteht, Leute. Für uns ist Amerika kein fröhliches Singen oder Tanzen. Nö, es ist rough. Die Polizei hat immer noch Vorurteile gegen uns. Wir gehen drauf, weil sie annimmt, dass wir alle kriminell sind. Waffen? Eigentlich scheiße. Aber anscheinend muss ich als Schwarzer ja eine tragen, damit ich nicht umkomme.“

So schildert Gambino die komplexe Situation der Afroamerikaner. Waffen, racial profiling und Polizeigewalt? Die Menschen interessieren sich lieber für banalere Themen. Es würde Ewigkeiten dauern, jede einzelne Anspielung zu erklären, die Gambino in den Lyrics macht. Wen’s interessiert: Unter #ThisIsAmerica diskutiert Twitter den Text rauf und runter.

Grund 2: Das Video quillt über vor Anspielungen

In nur vier Minuten erzählt uns Childish Gambino die Geschichte der Unterdrückung in krassen Bildern, die wehtun. Das Video ist fast gänzlich in einem one shot gedreht – und kommt, wie die Lyrics auch, mit einem Potpourri voller Referenzen.

Ein Gospel-Chor singt, Gambino tanzt und erschießt plötzlich alle mit einem Maschinengewehr. Klingelt’s? Richtig. Das Charleston-Church-Massacre 2015: Weißer Extremist erschießt schwarze Kirchengänger während des Gottesdienstes.

Oder der drollige Tanzstil und die verrückte Mimik von Donald Glover. Eine Anspielung auf sogenannte Minstrel Shows aus dem frühen 19. Jahrhundert, in denen Weiße sich über Karikaturen Schwarzer fast kaputt lachen konnten. Einer dieser stereotypen Figuren war Jim Crow, der Namensgeber für die Segregationsgesetze in den USA.

Und genau in dessen Signature-Pose erschießt Glover gleich am Anfang den Gitarrenspieler. Da ist das Video noch nicht mal 10 Sekunden alt. Schon jetzt genug Stoff für eine Doktorarbeit. Doch der eigentliche Clou kommt erst noch.

Grund 3: Und hinter allem steht eine geniale Message

Während Glover durch die Lagerhalle tanzt, rappt und komische Grimassen schneidet, bricht im Hintergrund das Chaos aus. Feuer, panisch herum rennende Menschen, Pferde, Autos und ein Mann, der Suizid begeht. Habt ihr nicht gesehen? Nö, ich beim ersten Mal auch nicht. Und das ist der Punkt.

Indem sich der Zuschauer auf die coolen Dance-Moves konzentriert, vergisst er glatt auf das eigentliche Geschehen zu achten. Glover zeigt: Ihr Menschen interessiert euch mehr dafür, wie sich jemand in Musikvideos bewegt und rappt, oder was er anhat, als dafür, was in eurer Welt, also im Hintergrund passiert. Wow. Das sitzt. This is America – das krasseste Musikvideo des Jahres. Oh, Donald Glover, du genialer Typ.