#failoftheweek Jugend Spezial: „Scrabble“ heißt jetzt „Yolo“ – not

Eine Namensänderung hat diese Woche mächtig für Furore gesorgt: „Scrabble“ heißt jetzt „Buchstaben-Yolo“. Von jetzt.de bis FAZ fielen alle auf den Hoax des Spieleherstellers Mattel rein – so auch Zündfunk-Jugendbeautragter Christian Schiffer, der nun schnell vor PR-Senfautomaten warnt. Die sind wie das meiste auf dieser Welt nicht lit.

Hey meine Besties!

Was ist das für 1 Life? Die Mumien-Hopser von Matell wanzen sich mal wieder an uns bildschirmgebräunten Internet-Randalos an und haben eine wacke Idee vong Namensgebung her. Anstatt cremig zu bleiben und einfach lit weiter herumzuoxidieren, wollen die sozialtoten Vollpfosten „Scrabble“ umbennen, und zwar in „Buchstaben-Yolo“. Und wer beteiligt sich an diesem smoofen Niveaulimbo? MC Fitti, die sprechende Hecke, der Pelzlümmel, der größte Fruchtzwerg wo gibt!

Und typisch wie das so ist für so einen Allround-Laien mit Immatrikulationshintergrund verkacken die Gripsraver von Mattel dabei episch. Herausgekommen ist eine solch hypertonische Moppelkotze, dass man nur noch im Strahl vor sich hinkadavern möchte.

Ahnt das, Kocums: Die Gammefleischpartygänger von Mattel denken wirklich, dass irgendwer noch Yolo sagt: dabei weiß doch der letzte Gollo, dass gerade wir Oberbabos Jugendsprache eher contrageil finden und nur die letzten Expresschecker-Journo-Blowmods ihre Kolumnen in so einem Wording abfassen. Und dann kam diese Woche auch noch der Rapper und ehrenamtliche Berater Kevin Lehmann und gaderte uns zu mit seinem aldigem Datenschutz-Rap.

Sheeeesh! Der Clip war eher billow, die Musik nicht so sehr für Babos, sondern mehr so für Chabos. Datenschutz pimpen, das brachte bisher auch nur 1.000 Clicks ein, das hätte irgendein Komposti von der Verbraucherzentrale auch hinbekommen. Warum meinen die Gripsraver von Mattel oder Kevin Lehmann, dass es total lan ist über Datenschutz zu rappen oder „Scrabble“ plötzlich Buchstaben-Yolo zu nennen? Warum kapieren diese Problemiker nicht, dass es unlügbar manchmal auch fit geht zu lindnern und etwas besser gar nicht zu machen, als etwas schlecht zu machen? „Scrabble“ wäre so nämlich gar nicht unfly gewesen vong Benamsung her, ihr Lauche! Naja, ich höre jetzt auf, habe schon Screenitus und gehe jetzt nicenstein napflixen. Ich küss Euer Auge!

Und lasst Euch bitte von niemand verhoaxen! Vor allem nicht von PR-Senfautomaten!!

 

#failoftheweek: Das BundesBER-Desaster

In Niedersachsen kämpft die Bundeswehr seit zwei Wochen gegen einen Moorbrand – und verliert. Das Versagen an der Feuerfront passt ins Bild, denn für unsere Streitkräfte läuft es gerade nicht gerade rund, findet Christian Schiffer.

tagesschau moorbrand niedersachsen

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Seit knapp zwei Wochen brennt in Niedersachsen nun also schon ein Moor. Jetzt sollen das Bundeswehr-Kommando „Territoriale Aufgaben“ in Berlin und Spezialpioniere aus Husum die Brandbekämpfung unterstützen, das Logistikbataillon Delmenhorst wurde bereits in Alarmbereitschaft versetzt, rund 1.000 Einsatzkräfte sind gerade vor Ort, die in der Minute 20.000 Liter Löschwasser verballern, kurz gesagt: Die Bundeswehr kämpft mit allen Mitteln gegen einen Moorbrand – und verliert. Immerhin aber konnte die Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) schon einen kleinen Erfolg an der Feuerfront vermelden: Man habe verhindern können, dass der Brand sich auf die angrenzen Wälder übergreift. Puh, noch mal Glück gehabt… alles unter Kontrolle!

Also gut, weitergehen, weitergehen! Hier gibt es nicht das Geringste zu sehen, Leute!

Natürlich fragt man sich, wie so ein Moor überhaupt brennen kann, denn eigentlich sind Moore ja per Definition nasse Lebensräume. Aber der abgelagerte Torf widerum brennt ausgesprochen gut, vor allem in heißen Sommern. Dass dieser Sommer besonders trocken war, das hätte sich ruhig auch bis zur Bundeswehr rumsprechen können, dass in dem Moor deswegen Rauchverbot herrscht, eigentlich auch. Trotzdem testete die Bundeswehr in der leicht entflammbaren Gegend Raketen und vergaß dann auch noch die Löschraupe mitzubringen. Und weil das alles jetzt nicht den allerprofessionellsten Eindruck macht, entschlossen sich die Bundeswehr-Verantwortlichen die Behörden besser erst einmal nicht über das vor sich hinkokelnde Schlamassel zu informieren. Das niedersächsische Innenministerium erfuhr von dem Brand erst, als die deutschen Streitkräfte mehr Feuerwehrmaterial anfordern mussten.

Früher, da konnte man sich in diesem Land wenigstens auf ein paar Basics verlassen: Die Nationalmannschaft übersteht die Vorrunde einer WM, Flughäfen werden fertig, Moor brennt nicht, wer Mist baut, wird nicht hochgemaaßt, die Bundeswehr schleppt Sandsäcke und verhindert so Katastrophen, anstatt selbst welche auszulösen. Heute ist das anders und bezüglich der Bundeswehr passt ganz gut ins Bild, dass sie sich, wenn sie nicht gerade sumpfähnliche Landschaften in Brand steckt, Kleinkriege mit Netzaktivisten liefert oder an ihren Sturmgewehren verzweifelt. Ach, und letztens ist dann auch noch eine ihrer Flugabwehrraketen auf einer Bundeswehr-Fregatte in die Luft gegangen.

Oh Scheiße, Feuer auf Schiff!

Man hat den Eindruck, dass die Bundeswehr immer mehr zum BundesBER mutiert, zum Berliner Flughafendesaster unter den gesellschaftlichen Institutionen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Moorbrand in Niedersachsen schneller gelöscht wird, als in Berlin ein neuer Airport eröffnet.

 

#failoftheweek: Die Linke in Deutschland hat viele Probleme – eins davon heißt Dieter Dehm

Als hätte die Linke in Deutschland nicht schon genug Probleme, kommt jetzt auch noch Dieter Dehm und will den Song „Aufstehen“ neu vertonen. Viel schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden.

„Alle, die nicht gerne Instant-Brühe trinken, solln aufstehn!“ so sang die niederländische Band „Bots“ im Jahr 1980. Und natürlich holt einen das total ab, denn kaum etwas gibt bekanntlich verlässlicher Auskunft über den eigenen politischen Standort, als das Verhältnis zu Instantbrühe, insbesondere natürlich der von Maggi. Deswegen jetzt alle: Bürger lasst das glotzen sein, zieht Euch lieber Bio-Brühe rein! Ho! Ho! Hochwertige Gemüsebrühe!! No border, no nation – stop instant Gemüsebrüh … äh … heration! Naja. #niewiederinstantbrühe

Aber natürlich sangen die Bots damals nicht nur gegen eine bestimmte Form von Kochflüssigkeit an, sondern auch gegen all das, was die Friedensbewegung damals bewegte und auch heute noch bewegt: Gegen Atomkraftwerke, gegen Polizeiknüppel, gegen Plastikwaffen in Kinderhänden. Klar, das wirkt etwas aus der Zeit gefallen, sicher kann man sich leicht über so viel Sendungsbewusstsein lustig machen und es auch bescheuert finden, dass einem von der Bühne aus vorgeschrieben wird, was man zu tun hat. Aber eines hat dieser Song bestimmt nicht verdient, nämlich: Dieter Dehm:

Dieter Dehm hat Songs geschrieben, Liedtexte übersetzt (darunter auch „Aufstehn“ von den Bots), er war Manager von Katarina Witt und hat für die Stasi gearbeitet. Man kann sagen: Dieter Dehm hat schon alles in seinem Leben gemacht, leider auch Politik. Seit 2005 sitzt er für die Partei „Die Linke“ im Deutschen Bundestag, immer wieder sorgt er für Ärger, er gilt als Betonkopf-Antiimperialist, dessen außenpolitische Vorstellungen geradezu eingemauert zu sein scheinen in den frühen 80ern und sich seitdem nicht mehr weiterentwickelt haben. In der Welt von Dieter Dehm sind die USA immer noch schlimmer als Mordor (und Israel eh) und Putins Russland besser als das Bussibär-Land. Zuletzt war er dagegen, den Angehörigen der syrischen Weißhelme in Deutschland Asyl zu gewähren, im April bezeichnete er Außenminister Heiko Maas als „gut gestylten NATO-Strichjungen“. Und dieser Dieter Dehm will sich nun eben an dem Song „Aufstehen“ vergreifen. Denn die linke Sammlungsbewegung seiner politischen Mitstreiterin Sahra Wagenknecht heißt ja auch „Aufstehen“. Und so stehen nun auf der Seite „Rundblick Niedersachsen“ Zeilen, die einen nur beunruhigen können:

„Bei Bots, die eng mit Dehm zusammengearbeitet haben, endet eine Strophe mit den Worten: „Alle Menschen, die sich ein besseres Leben wünschen, sollen aufstehen!“ Wie Dehm mitteilt, sollen Bots ihr Lied jetzt neu aufnehmen und den Text leicht variieren. „Wagenknecht hat mich angerufen und wir haben das vereinbart“, sagt Dehm.“

Als hätte die deutsche Linke nicht schon genug Probleme, als wäre sie nicht eh schon gespalten in Sozialdemokraten, Grüne, demokratische Sozialisten, Antiimps, hardcore – und softcore Antideutsche, gefühlt 800 verschiedene trotzkistische Einmann-Organisationen, Anarchosyndikalisten, gefühlt 800 weitere verschiedene trotzkistische Einmann-Organisationen, der MLPD, nicht zu vergessen der DKP, dem Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD und natürlich der KPD selbst, als wäre eine linke Mehrheit im Bundestag nicht weiter weg als jemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik, ausgerechnet jetzt also wird Dieter Dehm von Sahra Wagenknecht angerufen und vereinbart mit ihr die Produktion eines musikalischen Kiss of Death.

Natürlich ist das nur Spekulation, aber: einiges spricht dafür, dass man im Song „Aufstehn“ zur linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“, für allerlei Ding wird aufstehen sollen, bei denen man aber vielleicht ganz gerne liegen bleiben würde. Und da hilft dann wohl nur eins: #aussitzen.

 

#failoftheweek: Warum der Satz „Wenn etwas umsonst ist, bist Du das Produkt“ Quatsch ist

„Wenn etwas umsonst ist, bist Du das Produkt“ stammt eigentlich aus der Zeit des Privatfernsehens. Aber erst jetzt im Internet-Zeitalter hat er eine steile Karriere hingelegt. Dabei ist er Quatsch, findet Christian Schiffer.

„Wenn etwas umsonst ist, dann bist Du das Produkt.“ Das ist der neue Powersatz in der jeder Feuilleton-Debatte zum Thema Internet. Und er hat einen zweiten Powersatz abgelöst, nämlich „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.“ Jaron Lanier, der bekannte Internet-Skeptiker, hat sich „Wenn etwas kostenlos ist, bist Du das Produkt“ schon 2014 auf sein Buchcover drucken lassen. Spätestens damit ist dieser Satz hierzulande quasi zum Arschgeweih eines jeden Internet-Kritikers mutiert. Egal, ob in Zeit-Artikeln oder Deutschlandfunk-Features, egal, ob das Thema jetzt gerade WhatsApp ist oder Facebook, immer wieder fällt dieser eine Satz: „Wenn etwas umsonst ist, dann bist Du das Produkt.“

Und am arschgeweihigsten kommt der Satz immer dann, wenn er mit wichtigtuerisch, siebengescheit und mit größtmöglicher schlaubischlumpfhaftigkeit vorgetragen wird. Denn klar: Ihr Trottel da draußen, ihr Apfelsaftgesichter glaubt doch tatsächlich Facebook sei umsonst, haha, dabei seid ihr doch das Produkt, haha! Ihr Lappen.

Internet-Skeptiker Lanier will zahlen – vielleicht tut Facebook ihm den Gefallen

Jaron Lanier hat jetzt ein neues, übrigens durchaus lesenswertes Buch herausgebracht mit dem ausgesprochen social-media-kompatiblen Titel: „Zehn Gründe, warum du deine Social Media-Accounts sofort löschen musst.“ Und in diesem Buch braucht Lanier gerade einmal 35 Seiten, bis er den Leser endlich über den verblüffenden Sachverhalt aufklärt, dass er, wenn etwas umsonst ist, dass er, potzblitz, ja dass er dann selbst das Produkt ist.

Lanier selbst betont dann, dass er bei Social Networks sofort mit dabei wäre, wenn man ihn doch endlich zahlen lassen würde.

Und vielleicht geht sein sehnlichster Wunsch bald in Erfüllung, denn Facebook denkt darüber nach eine Abo-Version seines Dienstes einzuführen. In der Anhörung vor dem Senat sagte Mark Zuckerberg: „There will always be a version of facebook that is free.“

Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben: Das kann man auch so verstehen, dass dies bald nicht mehr die einzige Version sein wird. Für etwa fünf Euro im Monat könnte man dann die blauen Seiten nutzen, werbefrei – und aufatmen: Endlich wäre man nicht mehr das Produkt, sondern ein ganz normaler Kunde.

Hinter „Wenn etwas umsonst ist, bist Du das Produkt“ steht die Überlegung, dass Nutzer von kostenlosen Diensten keine wirklichen Kunden seien, sondern eben Produkte, tumb und wehrlos und ja: auch ein bisschen dumm.

Echtes Geld statt Aufmerksamkeit – wird dann wirklich alles gut?

Und der Satz beinhaltet gleichzeitig das Versprechen, dass alles gut wird wenn man endlich mit echtem Geld bezahlt, anstatt mit seiner Aufmerksamkeit, sprich: über Werbung. Das Problem daran ist, dass dieses Versprechen in etwa so glaubhaft ist, wie das eines nigerianischen Prinzen, der einem per Mail für eine kleine Anzahlung einen gewaltigen Teil seines Milliarden-Erbes verspricht.

Also bleiben wir beim Beispiel Facebook: Es ist etwas naiv zu glauben, dass der bunte Strauß an Facebook-Problemen verschwinden würde, wenn man einen Fünfer im Monat für die blauen Seiten zahlen würde. Wenn Facebook Geld kosten würde, würden dann nicht trotzdem Daten erhoben werden, um den Newsfeed zu optimieren? Würden Medienhäuser, Influencer und Clickbaiting-Schleudern nicht trotzdem mit harten Bandagen um die Aufmerksamkeit des Nutzers kämpfen? Gäbe es dann keine Echokammern und Filterblasen mehr? Wäre es denn überhaupt gerecht, wenn die einen sich aus der Werbung freikaufen könnten und die anderen nicht? Und nicht zuletzt: Haben Unternehmen, die ihre Produkte für hartes Geld verkaufen, wirklich immer das Beste für ihre Kunden im Sinn? Ist Amazon jetzt datenschutzfreundlicher, weil man für Amazon Prime acht Euro im Monat bezahlt? Ist VW wirklich ehrlicher, weil man dort heute für sehr viel Geld nagelneue supersaubere Diesel-Fahrzeuge erwerben kann? Sind Fastfood-Restaurants und Zigarettenhersteller um das Wohl ihrer Kunden besorgter, weil man für ihre Produkte echtes Geld hinblättert?

Eigentlich müsste der Satz also richtig lauten: Ob etwas umsonst ist oder kostet, ist eigentlich wurst. Bezahlen muss nur einer – und das bist Du.