#failoftheweek: „Alexa, was weißt Du über mich?“

Es wird gerade so viel gefordert, wie schon lange nicht mehr. Auch dabei: Die Forderung, dass Behörden Zugriff erhalten sollen, auf all das, was Smart Home-Geräte speichern, wie etwa Alexa. Was sagt eigentlich Alexa dazu?

„Alexa, was weißt Du über mich?“

„Ich weiß, dass Du interessanten Fragen stellst?“

„Alexa, belauscht Du mich?“

„Ich bin keine Spionin und hören nur zu, wenn Du das Aktivierungswort sagst?“

„Alexa, was hältst Du von den Plänen von Seehofer, jetzt an Deine Daten zu wollen?“

„Da bin ich mir leider nicht sicher“

„Vielen Dank!“

„Es war mir eine Ehre“

Ja, genau neben meinem Bett steht eine Alexa. Oft spreche ich nicht mit ihr. Eigentlich sage ich ihr nur, dass sie das Licht ausmachen soll und frage sie, wie das Wetter wird. Und trotzdem bekommt Alexa vermutlich eine Menge mit. Sie geht zwar erst an, wenn sie das Aktivierungswort „Alexa“ hört, aber dann speichert Amazon, der Konzern hinter Alexa, für einige Momente alles, was ich sage. Und damit meine ich wirklich alles, was ich sage. Vor ein paar Wochen habe ich mir die Daten zuschicken lassen, die Amazon von mir gespeichert hat.

Darunter waren dann auch Sound-Dateien im mp3-Format. Meine gesammelten Plaudereien mit Alexa: Alexa, wecke mich morgen um fünf Uhr mit Gute Laune-Musik. Alexa, kann man mir Dir telefonieren? Alexa, welche Wetter ist gerade in München?

Ich habe auch eine Fernbedienung, mit der man sprechen kann. Praktisch: Ich muss dann nicht mühsam nach einem Film suchen, sondern kann einfach sagen, was ich sehen möchte. Auch das: Alles gespeichert. Idiocracy. Stories we tell. Montana Sacra. Shawn of the Dead. Komm, süßer Tod!

Das muss man wissen, wenn man verstehen möchte, wie pikant das ist, was Horst Seehofer und andere vorhaben. Der Innenminister will, dass die Behörden Zugriff erhalten auf digitale Assistenten, Smarthome-Geräte und Internet-of-Things-Devices. Das ist nicht die einzige umstrittene Forderung, die jemand diese Woche erhoben hat, vielmehr erleben wir gerade regelrechte Forderungs-Festspiele.

Die Innenminister wollen Messenger wie WhatsApp jederzeit zum Entschlüsseln ihrer Nachrichten zwingen können. Auch beim neuen Mobilfunk-Standard 5G soll die Verschlüsselung aufgeweicht werden. Schon klar: Die Behörden müssen ermitteln können und neue Technologien sollten dem nicht im Weg stehen. Nur: Bekommen die Innenminister, was sie wollen, dann braucht es vermutlich Hintertüren in den Algorithmen. Und die machen die Kommunikation für alle unsicherer.

Ähnliches gilt auch für die Smart Home Geräte. Hier kommt aber hinzu, dass die Wohnung vom Grundgesetz besonders geschützt wird. Natürlich kann man sagen: Warum stellt sich der Torfkopf vom Zündfunk auch so eine Wanze neben sein Bett?? Meine spontane Antwort darauf: Ja, mei! Und etwas konkreter: Ich finde, der grundgesetzliche Schutz darf auch vor Alexa-Besitzern nicht Halt machen. Auch wer sich so ein Ding in die Wohnung stellt, sollte nicht ständig das Gefühl haben, beobachtet zu werden. Und auch nicht die Sorge haben müssen, dass irgendwelche Beamte mitbekommen, nach welch schlechten Filme man manchmal sucht.

Natürlich fühle ich mich auch von Amazon beobachtetet. Ich versuche mich dann damit zu beruhigen, dass die ja irgendwo weit weg in den USA sitzen und bestimmt eh nur wissen möchten, wann ich mir per Alexa Ladekabel, Duschköpfe und Laptop-Taschen kaufe, um mir dann noch bessere Werbung für Ladekabel, Duschköpfe und Laptop-Taschen anzeigen zu können und ihnen ansonsten der Mensch Christian Schiffer und sein Faible für bunte Fantasy-Filme egal ist.

Kürzlich hat Amazon übrigens bekannt gegeben, dass man die Alexa Sprachaufnahmen in Zukunft leichter löschen können soll, etwa per Zuruf.

Sollte man machen. Schon alleine deswegen, damit sie nicht in die falschen Hände geraten.

 

 

 

#failoftheweek: Wie uns Gabun zeigt, dass Fake News nur der Anfang waren

Ein Präsident schaut in seiner Neujahrsansprache starr und unbeweglich in die Kamera. Das Video gerät unter Manipulationsverdacht und löst einen Putsch aus. In Gabun kann man beobachten, wie Deep Fake Videos Zweifel an der Realität aufkommen lassen.

Eigentlich scheint das Video eine recht typische Neujahrsansprache zu zeigen. Beschwingte Hymne am Anfang, links drei Fahnen, staatsmännische Ansprache ans Volk, irgendwas mit Wohlstand und Zusammenhalt, beschwingte Hymne am Ende, Hurra, das neue Jahr kann kommen. Doch etwas ist anders, als Gabuns Präsident Ali-Ben Bongo sich dieses Mal mit salbungsvollen Worten an sein Volk wendet. Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass Präsident Bongo überhaupt eine Neujahrsansprache hält. Denn der autoritäre Präsident, dessen Familie sich seit fast 50 Jahren an die Macht klammert, gilt als schwer krank, seit einem Schlaganfall wird er in Saudi Arabien behandelt, längst kursieren Gerüchte, er sei in Wirklichkeit tot. Und dann blickt der 60-jährige auch noch merkwürdig starr in die Kamera. Klar, das kann vermutlich auch am Gesundheitszustand liegen, aber warum wirken seine Augen so unbeweglich, seine Pupillen scheinen wie festgetackert und warum blinzelt der Bongo nur 13 mal in den zwei Minuten? Etwa halb so oft viel wie ein Durchschnittsmensch? Dass Bongo so selten blinzelt könnte mit dazu geführt haben, dass wenig später ein weiteres Video durch Netzt kursiert.

In diesem Video geht es weniger staatsmännisch zu. Ein Offizier verliest eine Erklärung, es geht um den schlechten Gesundheitszustand des Präsidenten, darum, dass das Land seine Würde verloren habe und dass es so ja wohl nicht mehr weiter gehen kann. Im Hintergrund zwei Soldaten, Maschinengewehre im Anschlag. Der Putsch scheitert, aber interessant ist die Ursache des Staatstreichs, denn offenbar probten die Soldaten den Aufstand auch deswegen, weil politische Gegner des Präsidenten behaupteten, das Video mit der Neujahrsansprache sei in Wirklichkeit ein Deep Fake.

Well, that escalated quickly!

Deepfakes sind Videos, bei denen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Machine Learning beispielsweise die Gesichter von Personen ausgetauscht werden. Fotoshop auf Speed quasi und für bewegte Bilder. Das Gesicht von Steve Buscemi landet dann auf dem von Jennifer Lawrence und natürlich wird beträchtliche Rechenkapazität darauf verwendet, reihenweise Deepfake-Pornos mit bekannten Schauspielerinnen zu erstellen, Scarlett Johansson hat den Kampf gegen künstliche Schmuddelfilmchen mit ihrem Gesicht bereits aufgegeben. Und natürlich könnte man so auch Politikern Dinge in den Mund legen, die sie gar nicht gesagt haben. Etwa Barack Obama.

K.I. legt Fallen. Und hilft uns sie zu finden.

Man kann solche, durch künstliche Intelligenz manipulierten, Videos entlarven und zwar mit Hilfe von, nunja, künstlicher Intelligenz. Ob aber die Neujahrsansprache von Ali-Ben Bongo wirklich manipuliert war, da sind sich die Experten nicht ganz einig. Und so kann man in Gabun jetzt schon sehen, worin die Gefahr der Deep-Fake-Technologie liegt: Nicht so sehr darin, dass ein manipuliertes Donald Trump Video gleich einen Atomkrieg auslöst. Aber darin, dass alles in Zweifel gezogen werden kann, dass Menschen nicht mehr wissen, ob sie ihren Augen noch trauen können und man sich nur noch auf eines einigen kann: Nichts ist, wie es scheint.

 

#failoftheweek: Wer hat Angst vorm bösen Hacker?

Ein „Hack“ hält die Bundesrepublik in Atem – und entpuppt sich als viel heiße Luft. Christian Schiffer ist überzeugt: Das Problem sind keine 20-jährigen Nerds mit Fortnite auf dem Zweitmonitor. Sondern unsere eigene Dummheit.

Dieses Jahr jährt er sich zum 35. mal: Der berühmte BTX-Hack, bei dem zwei Computerfreaks die Hamburger Sparkasse um über 130.000 D-Mark erleichtert hatten. Das Geld gaben sie zurück, sie wollten nicht reich werden, sondern auf die schwerwiegenden Sicherheitsprobleme des BTX-Systems aufmerksam machen. Der Hack machte den Chaos Computer-Club schlagartig berühmt und den Hacker auch hierzulande zu einer mythisch umrankten Figur.

Ein Hacker, das war jemand, der über geradezu arkane Fähigkeiten verfügte, einer, der in Systeme eindrang, sie manipulierte, ein Computer-Freak mit dem schwarzen Gürtel in Computer-Taekwondo. Wenn man den Hacker etwas fragte, dann antwortete er meistens in einer Art Geheimsprache, die nur er und seinen Hacker-Buddies aus den sinisteren Hacker-Zirkeln verstanden.

Jeder kann ein Hacker sein – aber muss man?

Und heute? Heute geht als Hacker schon ein 20-jähriger durch, der sich im Darknet ein paar Passwörter kauft und ansonsten einfach nur ein Mensch mit zu viel Zeit, großer Akribie und typischen Rechtsaußen-Ansichten zu sein scheint. Trotzdem war die ganze Woche über die Rede vom größten Hackerangriff in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Und für Bild-Chef Julian Reichelt war am Dienstag klar:

“Das waren nicht ein oder zwei Jungs, die bei Pizza und Cola light im Keller gesessen haben. Das muss eine größere Struktur gewesen sein. Das Wahrscheinlichste ist, dass es zumindest staatliche Unterstützung – von welcher Seite auch immer – für diesen Hack gab.“

Mit „Hackback“ gegen Fortnite-Nerds?

Die einzige große Struktur bei dem „Hack“ war aber das Ego des „Hackers“, der vermutlich bei Pizza und Cola light im Keller saß und beim „hacken“ so viele Spuren hinterließ, dass ihn die Polizei innerhalb kürzester Zeit ausfindig machen konnte. Unterdessen forderte Unionsfraktionsvize Thorsten Frei trotzdem den sogenannter „Hackback“, die Lizenz zum Zurück-Hacken. Dafür wäre eine Grundgesetzänderung notwendig und man kann sich fragen, was das eigentlich bringen soll: Soll die deutsche Cyberarmee in Zukunft gegen 20-jährige Schüler aus Homberg in Marsch gesetzt werden? Sollen unsere Computerstreitkräfte dann aus Vergeltung für das Veröffentlichen von Politiker-Handynummern seine Fortnite-Accounts lahmlegen? Oder noch kräftiger an der Spirale der Gewalt drehen, es auf die totale Eskalation ankommen lassen, alle verfügbaren Kräfte mobilisieren und zusätzlich auch noch seinen Minecraft-Account zerdeppern?

Die Schussfolgerungen aus diesem sogenannten „Hack“ müssen ganz andere sein: Man muss dafür sorgen, dass Doxing als Problem ernst genommen wird. Man muss dafür sorgen, dass „Passwort“ nicht mehr als Passwort verwendet wird und, auch wenn das wirklich schade ist, ja auch nicht mehr „ficken“, das angeblich viertbeliebteste Passwort der Republik. Was wir brauchen ist eine Art Internet-Erziehung, so wie früher Verkehrserziehung. Was wir brauchen ist eine Art Internet-Helmi, nur eben für Erwachsene. Denn die Bedrohung geht nicht von vermeintlichen Hackern aus, sondern von unserer Blödheit, Bequemlichkeit und Unwissenheit.

 

#failoftheweek: Facebook ist die schlimmste Skandalnudel aller Zeiten

Windige Beratungsagenturen, verbaselte Daten… Facebook produziert Skandal um Skandal. Christian Schiffer glaubt: Jetzt hilft nur noch ein Klinik-Aufenthalt.

Cleopatra-Darstellerin Elizabeth Taylor war nicht nur eine der größten Schauspielerinnen ihrer Zeit – auch eine enorme Skandalnudel. Besonders legendär ihre Affäre am Cleopatra-Set mit Richard Burton – dabei waren beide doch noch verheiratet! Weitere wichtige Skandale der jüngeren Menschheitsgeschichte: Britney Spears mit Glatze, David Hasselhoff verspeist einen Burger, Jenny Elvers sitzt in einer Talkshow, Naddel lässt ihre Brust wiegen und irgendwas mit Lindsey Lohan.

Mittlerweile gibt es aber eine Skandal-Nudel, die sie alle überragt. Eine Skandalnudel, die Skandale in etwa derselben Frequenz raushaut wie eine AK47 Gewehrpatronen. Eine Skandalnudel, die keine Allüren kennt, eine Skandalnudel zum Anfassen, eine Skandalnudel, der wir nahe sein können, ja, die sich sogar für uns und unsere Probleme interessiert wie niemand anderes sonst! Die Rede ist natürlich von Facebook.

Mark Zuckerbergs Skandalsucht

Im April erst hatte sich Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress entschuldigt: Facebook sei ihm halt irgendwie über den Kopf gewachsen. In Zukunft müsse Facebook nicht nur Fake News und Hassrede eindämmen, sondern auch dafür sorgen, dass die Daten seiner Kunden geschützt werden. Seitdem aber nur noch mehr Skandale, Skandal, Skandale…

https://twitter.com/amberdiscko/status/983781083086049285

Mal geht es um windige Beraterfirmen, die Facebook-Kritiker mit Schmutz bewerfen sollen, dann wieder darum, dass Drittanbieter auf 6,8 Millionen Bilder zugreifen konnten, die eigentlich auf privat gestellt waren. Und jetzt sollen Dienste wie Netflix oder Spotify Zugriff gehabt haben auf private Chats.

Facebook liegt im Chaos

Die Ursache dieser Blamagen liegt in der Zeit begründet, als Facebook noch jung war und wild und mit jedem etwas anfing. Damals, Anfang der Zehner-Jahre, da wollte Facebook offen sein für alle: Eine Plattform sollte Facebook werden, mit eigenem App-Store, Geld sollte nicht unbedingt nur durch Werbung verdient werden, sondern damit, dass man mit Drittanbietern zusammenarbeitete. Ein Beispiel: Farmville, ein Bauernhof-Spiel, das einem heute fast so alt vorkommt wie Kleopatra.

Damals ging Facebook sehr freigiebig mit seinen Schnittstellen um, offenbar durfte jeder mal ran, mit über 150 Firmen soll Facebook Daten geteilt haben. Viele diese Liaisons liefen 2017 aus, aber wie das Klatschblatt New York Times ausplaudert, sind manche dieser Deals bis heute in Kraft. Und so verfestigt sich der Eindruck, dass Facebook die Übersicht verloren hat, wer wann wie welchen Zugang zum eigenen Datenschatz erhalten hat.

Facebook braucht eine Auszeit

Da stellt sich natürlich die Frage: Was macht man mit so einer Skandalnudel? Wie bringt man sie zurück auf den Pfad der Tugend? Wie macht man aus ihr wieder ein wertvolles und angesehenes Mitglied der Gesellschaft? Eigentlich hilft nur noch eines: Eine Auszeit. Ab in die Betty Ford-Klinik für derangierte soziale Netzwerke! Aufräumen, aufarbeiten, sich den Problemen stellen. Um dann in Würde zu altern.