#failoftheweek: Die Linke in Deutschland hat viele Probleme – eins davon heißt Dieter Dehm

Als hätte die Linke in Deutschland nicht schon genug Probleme, kommt jetzt auch noch Dieter Dehm und will den Song „Aufstehen“ neu vertonen. Viel schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden.

„Alle, die nicht gerne Instant-Brühe trinken, solln aufstehn!“ so sang die niederländische Band „Bots“ im Jahr 1980. Und natürlich holt einen das total ab, denn kaum etwas gibt bekanntlich verlässlicher Auskunft über den eigenen politischen Standort, als das Verhältnis zu Instantbrühe, insbesondere natürlich der von Maggi. Deswegen jetzt alle: Bürger lasst das glotzen sein, zieht Euch lieber Bio-Brühe rein! Ho! Ho! Hochwertige Gemüsebrühe!! No border, no nation – stop instant Gemüsebrüh … äh … heration! Naja. #niewiederinstantbrühe

Aber natürlich sangen die Bots damals nicht nur gegen eine bestimmte Form von Kochflüssigkeit an, sondern auch gegen all das, was die Friedensbewegung damals bewegte und auch heute noch bewegt: Gegen Atomkraftwerke, gegen Polizeiknüppel, gegen Plastikwaffen in Kinderhänden. Klar, das wirkt etwas aus der Zeit gefallen, sicher kann man sich leicht über so viel Sendungsbewusstsein lustig machen und es auch bescheuert finden, dass einem von der Bühne aus vorgeschrieben wird, was man zu tun hat. Aber eines hat dieser Song bestimmt nicht verdient, nämlich: Dieter Dehm:

Dieter Dehm hat Songs geschrieben, Liedtexte übersetzt (darunter auch „Aufstehn“ von den Bots), er war Manager von Katarina Witt und hat für die Stasi gearbeitet. Man kann sagen: Dieter Dehm hat schon alles in seinem Leben gemacht, leider auch Politik. Seit 2005 sitzt er für die Partei „Die Linke“ im Deutschen Bundestag, immer wieder sorgt er für Ärger, er gilt als Betonkopf-Antiimperialist, dessen außenpolitische Vorstellungen geradezu eingemauert zu sein scheinen in den frühen 80ern und sich seitdem nicht mehr weiterentwickelt haben. In der Welt von Dieter Dehm sind die USA immer noch schlimmer als Mordor (und Israel eh) und Putins Russland besser als das Bussibär-Land. Zuletzt war er dagegen, den Angehörigen der syrischen Weißhelme in Deutschland Asyl zu gewähren, im April bezeichnete er Außenminister Heiko Maas als „gut gestylten NATO-Strichjungen“. Und dieser Dieter Dehm will sich nun eben an dem Song „Aufstehen“ vergreifen. Denn die linke Sammlungsbewegung seiner politischen Mitstreiterin Sahra Wagenknecht heißt ja auch „Aufstehen“. Und so stehen nun auf der Seite „Rundblick Niedersachsen“ Zeilen, die einen nur beunruhigen können:

„Bei Bots, die eng mit Dehm zusammengearbeitet haben, endet eine Strophe mit den Worten: „Alle Menschen, die sich ein besseres Leben wünschen, sollen aufstehen!“ Wie Dehm mitteilt, sollen Bots ihr Lied jetzt neu aufnehmen und den Text leicht variieren. „Wagenknecht hat mich angerufen und wir haben das vereinbart“, sagt Dehm.“

Als hätte die deutsche Linke nicht schon genug Probleme, als wäre sie nicht eh schon gespalten in Sozialdemokraten, Grüne, demokratische Sozialisten, Antiimps, hardcore – und softcore Antideutsche, gefühlt 800 verschiedene trotzkistische Einmann-Organisationen, Anarchosyndikalisten, gefühlt 800 weitere verschiedene trotzkistische Einmann-Organisationen, der MLPD, nicht zu vergessen der DKP, dem Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD und natürlich der KPD selbst, als wäre eine linke Mehrheit im Bundestag nicht weiter weg als jemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik, ausgerechnet jetzt also wird Dieter Dehm von Sahra Wagenknecht angerufen und vereinbart mit ihr die Produktion eines musikalischen Kiss of Death.

Natürlich ist das nur Spekulation, aber: einiges spricht dafür, dass man im Song „Aufstehn“ zur linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“, für allerlei Ding wird aufstehen sollen, bei denen man aber vielleicht ganz gerne liegen bleiben würde. Und da hilft dann wohl nur eins: #aussitzen.

 

Von wegen #vanlife – Camping ist die Hölle!

Manchmal liegen Traum und Alptraum ganz nah beieinander: Zum Beispiel liegt mein Traum von Freiheit, Naturverbundenheit und sonnigem Hippie-Lebensgefühl ganz nah an der Spießerhölle. Bestehend aus riesigen Wohnmobilen, in Plastik geschweißtes Qualfleisch und schlecht gelaunten Senioren-Pärchen. Von Laura Freisberg

Seit meiner Teenagerzeit wünsche ich mir einen VW-Bus – seit Jenny aus „Forest Gump“ darin aus ihrem Kaff abgehauen ist. Wie schön muss es wohl sein, wenn man jederzeit irgendwo anhalten kann – sei es an einem einsamen Strand, einem türkis funkelnden Bergsee oder einfach mittendrin im Grün des Waldes? Das Zuhause, bzw. ein Bett und eine Kochplatte, immer dabei. Einschlafen unter den Sternen, aufwachen mit dem Blick aufs Meer oder die Berge! Und malerisch auf den heißen Kaffee in der Emaille-Tasse pusten, während es langsam wärmer wird.

Eigentlich dachte ich, dass man für ein paar tausend Euro schon so eine alte Möhre bekommt. Zumindest war das früher so. Aber: Überraschung: VW-Busse – auch andere Marken – sind derzeit unfassbar in – und teuer. Der Händler, bei dem wir schließlich einen T4, Baujahr 1995 kaufen, erklärt uns, dass er den Bus in ein paar Jahren auch wieder zurücknehmen wird. Für einen ähnlichen Preis.

Der perfekte Traum – natürlich mit Instagram-Filter

Hätte ich vorher mal auf Instagram oder in die Lifestyle-Outdoor-Magazin „Walden“ geguckt, dann hätte mir schon schwanen können, wie viele andere tausend Menschen ganz ähnliche Sehnsüchte wie ich haben. Unter #vanlife finden sich über drei Millionen Posts. Die erfolgreichen Fotos unter ihnen sind sich bei genauer Betrachtung ziemlich ähnlich: Atemberaubende Berg- oder Meeraufnahmen, dazu ein hübsches weißes, heterosexuelles Pärchen – manchmal mit Hund. Meist sie im Bikini, in akrobatischen Yoga-Verrenkungen vorm Bus. Er so ein Großstädter, der sich als Holzfäller verkleidet hat. Der Bus ist ihr Zuhause – und sie schwärmen darüber, wie toll ihr neues, freies Leben ist: Sie “genießen den Moment ”, “leben einen Traum ” und “wagen die Reise zu sich selbst ”. Alles überzogen mit dem perfekten Filter. Und manchmal ist in den durchkomponierten Bildern noch Platz für Productplacement.

Die Realität schaut natürlich anders aus. Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was der Urlaub sein soll beim Campingurlaub: Man haut sich unzählige Male den Schädel an, bis man kapiert, dass hier wirklich alles so klein und eng ist. Bevor man kocht, sollte man aufräumen, wenn man nicht mit einem achtlos rumliegenden Schal den Bus abfackeln will. Man ist immer am Wegschieben, umbauen, auspacken, einpacken. Ruhe und Rückzug? Fehlanzeige.

Der Campingplatz ein einziger Parkplatz

Wenn wir unsere Heckklappe öffnen, schauen wir auf die Rückseite eines anderen Wohnmobils – so groß wie ein LKW  –  oder auf die schlecht gelaunten Gesichter unserer Nachbarn aus Osnabrück oder auf die zwei Jungs aus Augsburg, die ihre Fahrradklamotten zum Lüften aufgehängt haben. Und dann kann man noch froh sein, wenn man nicht neben einem dieser sonnenverbrannten Exhibitionisten gelandet ist. Der Campingplatz sieht aus, wie ein einziger Parkplatz – auf dem abends alle in ihren Klappstühlen sitzen und Fleisch aus Plastikfolien auf ihren Grill schmeißen.

Vanlifers sind natürlich immer am richtigen Ort

Ein Abgleich mit Instagram: Die Vanlifers stehen natürlich nie auf einem Campingplatz. Sondern immer irgendwo in der Wildnis. Mal abgesehen davon, dass das ja gar nicht unbedingt erlaubt ist – wenn das jetzt alle machen, dann ist es mit der unberührten Natur halt auch vorbei: Wenn die zwei hübschen Menschen von Instagram einfach so auf den Waldboden defäkieren, naja. Vielleicht graben sie vorher ein Loch. Aber bei ein paar hundert Leuten? Aber ich gebe meinen Traum nicht auf: Bei der nächsten Tour finden wir ihn vielleicht: Den Ort mit nur wenig anderen Menschen und ganz viel Natur. Aber Instagram erfährt davon nichts.

Aus der Zündfunk-Sendung vom 19.7.2018, 19:05 Uhr auf Bayern 2

 

Dr. Söder, der Markus und die Tiere – die Selbstdarstellung des Ministerpräsidenten

Flüchtlinge, Asyl, Grenzen… da kommt der Mensch hinter dem Politiker viel zu kurz. Deshalb war der bayerische Ministerpräsident grade auf “Markus Söder persönlich” Tour. Sandra Limoncini war auch dabei. 

Die Menge tobt, Markus Söder strahlt. Heimspiel. Er sitzt in Rosenheim im örtlichen Kino vor Freunden, Parteigenossen aus alten Tagen und CSU Wählerinnen. Während seiner Reihe „Markus Söder persönlich“ tritt er in verschiedenen Städten und Gemeinden auf und bietet, den Ministerpräsidenten „zum Anfassen“. Aber hier sind nicht nur potentielle Wähler, sondern Fans.

Für seine Anhänger kniet sich Markus Söder rein – und es menschelt ganz doll: Er erzählt ihnen vom Tod seiner Mutter, seines Vater – und was das alles mit ihm gemacht hat. Warum ihm sein christlicher Glaube hilft und – zack ist das der perfekte Einstieg für sein nächstes politisches Thema: Ob der Islam zu Bayern gehört.

Perfekte Selbstinszenierung

Markus Söder arbeitet an der perfekten Selbstinszenierung: auf der Bühne und bei Social Media.

https://www.instagram.com/p/Bk7vU5AHZcB/?hl=de&taken-by=markus.soeder

Für seinen Instagram-Account gibt es jeden Tag mindestens ein Foto. Auf seinem Twitter-Account hat er seit August 2012 rund 2.000 Tweets verfasst und auf Facebook hat er rund 70.000 Fans. Wer ihm online folgt erfährt: Markus Söder ist Star Wars Fan, lichtet sich gerne mit Promis ab, vermisst seine Mutter und ist Fan des 1. FC Nürnbergs. Weiterhin, liebt er seine Hunde, seine fränkische Heimat, fährt regelmäßig Fahrrad, liebt Würschtel, Fasching und Bier, mag Pferde und andere Tiere. Hauptsache Tiere. „Ich liebe Tiere,“ erzählt er uns im Interview. „Ich bin ein Tierfreund, Hunde beispielsweise, ich finde Pferde total beeindruckend. Meine Frau ist Reiterin, ich finde einfach Tiere schön ich mag Tiere sehr gern. Ich hab auch früher Patenschaften gemacht im Tierheim, für Tiere die zurückgegeben wurde, weil mir das in der Seele weh getan hat.“

Insgesamt hat er seit April 2015 bei Instagram 20 Pferdebilder veröffentlicht und 17 Hundefotos. Ok, er besitzt zwei Jagdhunde. Bella und Fanny, die dürfen natürlich mit ihm Wahlkampf machen. Exotische Tiere gibt‘s erstaunlich wenige. Drei Löwen, zwei Delphine und Elefanten, aber nur einen einzigen Pinguin. Söder will sich zeigen und geht davon aus, dass seine Anhänger das auch so wollen. Er postet Filme von sich, selbst dann, wenn er eigentlich frei hat.

Zeit zum Nachdenken #spazieren #sonntag #wochenende #nürnberg

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Pressetermin mit Pferd

Markus Söder, bei einem Pressetermin am 8. Juni in München Riem, bei der berittenen Polizei. Er streichelt und tätschelt das in der Box stehende Pferd, das völlig ungerührt von dem ganzen Presserummel versucht, Söders Jackett aufzuessen. Die Journalisten sind daraufhin abgelenkt, und sofort zieht er mit witzigen Sprüchen über die Neugier des Polizeipferdes die Aufmerksamkeit wieder auf sich. Auch dieser Auftritt wird natürlich gleich bei Instagram gepostet.

https://www.instagram.com/p/Bj6zJxBHCTt/?hl=de&taken-by=markus.soeder

Diese Flut an Informationen, Nachrichten und Fotos postet er alleine, versichert er im Interview. „Ja, ich mach praktisch alles alleine und das geht auch jederzeit, das ist auch gar nicht so schwer, denn wenn man mal unterwegs war, dann kann man das sofort einstellen, das geht eigentlich ganz einfach.“ Die Staatskanzlei hat uns in einem Telefonat mitgeteilt, dass Markus Söder sich bei der Veröffentlichung seiner ganzen Posts, Fotos und Tweets Unterstützung holt. Es gäbe keinen bereit gestellten Apparat, der in seinem Namen Nachrichten verbreitet, aber natürlich könne er nicht jedes seiner Fotos selbst machen. „Ja, klar es gibt auch andere, die machen ein Foto, die schicken mir auch ein Foto. Heute hab ich z.B. ein Foto mit Ilse Aigner drin gehabt, das hat sie gestern gemacht, hat sie mir geschickt. Aber ich hab‘s eingestellt und der Text stammt auch immer von mir. Also jeder der sich freut, ja es ist von mir und jeder der sich ärgert, es ist leider auch von mir.“

Selbstausbeutung?

Markus Söder ist immer auf Sendung. Das kann daran liegen, dass er rund um die Uhr arbeitet, aber auch daran, dass er bei seiner Selbstoptimierungskampagne keinerlei Regulationsmechanismen mehr hat: all seine Softskills werden sofort für sich und seine politische Position genutzt. Wenn man so will betreibt der Mann seine eigene Ausbeutung.

Energie tanken für die anstehenden Herausforderungen… #bayern

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Markus Söder mit Hut, leicht atemlos, vom Spaziergang in der guten bayerischen Heimatluft, gibt sich naturverbunden. Wenn man bedenkt, dass er als bayerischer Heimatminister den Weg bereitet hat, landwirtschaftliche Flächen großzügig in Gewerbegebiete umwandeln zu lassen, sprich: mit seiner Hilfe jeden Tag Flächen so groß wie 20 Fußballfelder zubetonieren und versiegeln zu lassen, möchte man ihm den Hut vom Kopf reißen und ihn damit verhauen.

Und da ist er wieder, diesmal ohne Hut, aber dafür mit Pathos und seinem Fahrrad. Er ist die perfekte Politiker-Maschine. Entweder er ist hochintelligent oder er hat sehr gute Berater. Oder beides. Eines ist sicher: Dieser Mann will mehr.

 

#failoftheweek: Warum der Satz „Wenn etwas umsonst ist, bist Du das Produkt“ Quatsch ist

„Wenn etwas umsonst ist, bist Du das Produkt“ stammt eigentlich aus der Zeit des Privatfernsehens. Aber erst jetzt im Internet-Zeitalter hat er eine steile Karriere hingelegt. Dabei ist er Quatsch, findet Christian Schiffer.

„Wenn etwas umsonst ist, dann bist Du das Produkt.“ Das ist der neue Powersatz in der jeder Feuilleton-Debatte zum Thema Internet. Und er hat einen zweiten Powersatz abgelöst, nämlich „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.“ Jaron Lanier, der bekannte Internet-Skeptiker, hat sich „Wenn etwas kostenlos ist, bist Du das Produkt“ schon 2014 auf sein Buchcover drucken lassen. Spätestens damit ist dieser Satz hierzulande quasi zum Arschgeweih eines jeden Internet-Kritikers mutiert. Egal, ob in Zeit-Artikeln oder Deutschlandfunk-Features, egal, ob das Thema jetzt gerade WhatsApp ist oder Facebook, immer wieder fällt dieser eine Satz: „Wenn etwas umsonst ist, dann bist Du das Produkt.“

Und am arschgeweihigsten kommt der Satz immer dann, wenn er mit wichtigtuerisch, siebengescheit und mit größtmöglicher schlaubischlumpfhaftigkeit vorgetragen wird. Denn klar: Ihr Trottel da draußen, ihr Apfelsaftgesichter glaubt doch tatsächlich Facebook sei umsonst, haha, dabei seid ihr doch das Produkt, haha! Ihr Lappen.

Internet-Skeptiker Lanier will zahlen – vielleicht tut Facebook ihm den Gefallen

Jaron Lanier hat jetzt ein neues, übrigens durchaus lesenswertes Buch herausgebracht mit dem ausgesprochen social-media-kompatiblen Titel: „Zehn Gründe, warum du deine Social Media-Accounts sofort löschen musst.“ Und in diesem Buch braucht Lanier gerade einmal 35 Seiten, bis er den Leser endlich über den verblüffenden Sachverhalt aufklärt, dass er, wenn etwas umsonst ist, dass er, potzblitz, ja dass er dann selbst das Produkt ist.

Lanier selbst betont dann, dass er bei Social Networks sofort mit dabei wäre, wenn man ihn doch endlich zahlen lassen würde.

Und vielleicht geht sein sehnlichster Wunsch bald in Erfüllung, denn Facebook denkt darüber nach eine Abo-Version seines Dienstes einzuführen. In der Anhörung vor dem Senat sagte Mark Zuckerberg: „There will always be a version of facebook that is free.“

Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben: Das kann man auch so verstehen, dass dies bald nicht mehr die einzige Version sein wird. Für etwa fünf Euro im Monat könnte man dann die blauen Seiten nutzen, werbefrei – und aufatmen: Endlich wäre man nicht mehr das Produkt, sondern ein ganz normaler Kunde.

Hinter „Wenn etwas umsonst ist, bist Du das Produkt“ steht die Überlegung, dass Nutzer von kostenlosen Diensten keine wirklichen Kunden seien, sondern eben Produkte, tumb und wehrlos und ja: auch ein bisschen dumm.

Echtes Geld statt Aufmerksamkeit – wird dann wirklich alles gut?

Und der Satz beinhaltet gleichzeitig das Versprechen, dass alles gut wird wenn man endlich mit echtem Geld bezahlt, anstatt mit seiner Aufmerksamkeit, sprich: über Werbung. Das Problem daran ist, dass dieses Versprechen in etwa so glaubhaft ist, wie das eines nigerianischen Prinzen, der einem per Mail für eine kleine Anzahlung einen gewaltigen Teil seines Milliarden-Erbes verspricht.

Also bleiben wir beim Beispiel Facebook: Es ist etwas naiv zu glauben, dass der bunte Strauß an Facebook-Problemen verschwinden würde, wenn man einen Fünfer im Monat für die blauen Seiten zahlen würde. Wenn Facebook Geld kosten würde, würden dann nicht trotzdem Daten erhoben werden, um den Newsfeed zu optimieren? Würden Medienhäuser, Influencer und Clickbaiting-Schleudern nicht trotzdem mit harten Bandagen um die Aufmerksamkeit des Nutzers kämpfen? Gäbe es dann keine Echokammern und Filterblasen mehr? Wäre es denn überhaupt gerecht, wenn die einen sich aus der Werbung freikaufen könnten und die anderen nicht? Und nicht zuletzt: Haben Unternehmen, die ihre Produkte für hartes Geld verkaufen, wirklich immer das Beste für ihre Kunden im Sinn? Ist Amazon jetzt datenschutzfreundlicher, weil man für Amazon Prime acht Euro im Monat bezahlt? Ist VW wirklich ehrlicher, weil man dort heute für sehr viel Geld nagelneue supersaubere Diesel-Fahrzeuge erwerben kann? Sind Fastfood-Restaurants und Zigarettenhersteller um das Wohl ihrer Kunden besorgter, weil man für ihre Produkte echtes Geld hinblättert?

Eigentlich müsste der Satz also richtig lauten: Ob etwas umsonst ist oder kostet, ist eigentlich wurst. Bezahlen muss nur einer – und das bist Du.