Angriff der Killertomaten – Hat die Filmkritik-Plattform Rotten Tomatoes ihren guten Ruf verdient?

Von Gregor Schmalzried

Rotten Tomatoes gilt als Revolution der Filmkritik. Sie ist die bekannteste Metakritik-Seite. Hier werden Filme als positiv oder negativ eingestuft. Daraus wird ein Prozentwert errechnet. Was nach einer unschuldigen Plattform klingt, wird für die Filmindustrie in Amerika immer mehr zu einem Politikum. 

Es war die Nicht-Geschichte des Kinojahrs. „Justice League“ ist ein Film, in dem sich eine Gruppe von Superhelden zusammenschließen muss, um eine Invasion von Außerirdischen aufzuhalten. Also alles wie immer eigentlich, nur diesmal mit Ben Affleck. Die Trailer waren öde und die Reviews durchwachsen, aber Aufregung gab es dennoch – nur ganz wo anders. Nachdem am Dienstag vor Kinostart die Kritiken zum Film veröffentlicht wurden, dauerte es ganze zwei Tage, bis auf Rotten Tomatoes die daraus errechnete Gesamtwertung erschien – mehr als unüblich. Die Wertung lang im Übrigen bei 40 Prozent. Das macht keinen guten Eindruck.

Dazu kommt, dass Warner, das Studio hinter Justice League, selbst an RottenTomatoes beteiligt ist. Ist die zeitliche Verzögerung ein Versuch, schlechte Presse zu verhindern? Nicht unvorstellbar, sagt Martin Moszkowicz, Filmproduzent und Vorstandsvorsitzender von Constantin Film: „Dass Filmstudios wie auch Verleiher versuchen, die öffentliche Wahrnehmung unserer Filme, in dem Bereich der möglich ist, dahingehend zu beeinflussen, zu welchem Zeitpunkt man Filme zum Beispiel vorführen kann, zu welchem Zeitpunkt man Pressevorführungen macht oder nicht macht und dass eine Firma, die einen Film hergestellt hat, auch kontrollieren möchte, wie der in der Öffentlichkeit ankommt – das halte ich für normal.“

Eine Tomate sie zu knechten

Und wie etwas ankommt – das wird in Hollywood immer mehr mit RottenTomatoes gleichgesetzt. Das Symbol der frischen Tomate, das gut besprochene Filme erhalten, ist mittlerweile schon auf Filmpostern zu finden.

Die Relevanz von Rotten Tomatoes bestätigt auch Martin Moszkowicz. „Der Prozentsatz von Rotten Tomatoes ist heute für einen 12- oder 13-Jährigen unter Umständen eine Entscheidung, sich einen Film anzuschauen oder nicht anzuschauen. Das war es vor einigen Jahren auf jeden Fall noch nicht. Ich glaube, dass sich da fundamental etwas verändert, hin zu einer etwas klareren aber auch oberflächlichen Betrachtung von Filmen als Ganzes, wo man eben nur noch auf die Gesamtzahl schaut und nicht mehr auf die Einzelkritik.“

Und je beliebter die Plattform wird, desto kontroverser wird sie. Nachdem im letzten Jahr „Batman v Superman“ mit einer vernichtenden Wertung von 27% bedacht wurde, verlangten zornige Fans in einer Petition die Abschaltung der Seite wegen einer ebenso schlechten Bewertung des Comic-Films „Suicide Squad“. Und X-Men-Regisseur Brett Ratner bezeichnete sie unlängst als „Verwüstung unseres Business“.

The Good, The Bad – und sonst nichts

Auch David Steinitz, Filmkritiker der Süddeutschen Zeitung sieht das Modell kritisch: „Es können dort nur Sachen gute Bewertungen bekommen, die eine möglichst große Masse an Menschen ansprechen und eine möglichst große Masse an Menschen sprechen natürlich Mainstream-Produkte an. Es ist allerdings die Frage, ob man so wirklich Kunstwerke bewerten kann, weil da natürlich vor allem Filme ohne Ecken und Kanten nach oben gespült werden.“

Das hat auch damit zu tun, dass Rotten Tomatoes binär funktioniert. Kritiker haben hier nur die Option, einen Film entweder als gut oder schlecht einzustufen – ohne Abstufung. Der neue Spider-Man-Streifen ist damit komfortabel bei 92% positiver Besprechungen gelandet, Darren Aronofskys provokatives Drama „Mother!“ bei 68%. Das ist zwar für viele Kritiker der bessere Film – aber eben auch der kontroversere. Gegen den neuen Spider-Man hat niemand etwas, egal ob man sich nach der nächsten Flut Superheldenfilme noch an ihn erinnert.

Aus großer Macht folgt große Verantwortung

Diese Verantwortung ist bei Rotten Tomatoes und einer binären Bewertung nicht immer am richtigen Platz, findet auch David Steinitz: „Es kann ja zum Beispiel auch ein Film handwerklich sehr toll gemacht sein, man kann aus sehr vielen Gründen finden, dass der wirklich tolle Regie hat, tolle Schauspieler, tolle Kamera, aber trotzdem selber sagen, gefällt mir nicht. Findet man jetzt in einer Prozentwertung bei Rotten Tomatoes nicht wiedergespiegelt.“

Filmfans sollten diese Bewertungen also mit Vorsicht genießen. Aber was ist mit dem normalen Kinopublikum? Wenn jemand Lust hat, eine neue Comicverfilmung zu sehen, wird er sich das wohl kaum von einer Filmkritik ausreden lassen – ob in Tomatenform oder als ausgefeilten Text.

„Justice League“ ist übrigens an den Kinokassen komplett untergegangen und das hat wohl weder mit den Kritiken zu tun noch mit dem Zeitpunkt, zu dem Rotten Tomatoes sie veröffentlichte. Sondern eher damit, dass anständige Menschen ihren Freunden keine schlechten Filme empfehlen und daran, dass Ben Affleck schon im Trailer aussah, als hätte er keine richtige Lust.

 

Warum die Meerjungfrau das neue Einhorn ist – und ob der Trend einen Meerwert hat

Meerjungfrauenschwimmen – oder Mermaiding – hat sich von der absoluten Randsportart zur Trendsport-Art für jedermann entwickelt, von den Großstädten bis ins Allgäu. Und die Meerjungfrauen sind nicht nur im KiKa-Alter, sondern auch Erwachsene! Frauen und Männer. Aber vor allem Frauen.

1989 wünscht sich Arielle, die kleine Meerjungfrau aus dem Disney-Film noch sehnlichst, ein Mensch zu sein. Echte Beine zu haben, mit denen sie gehen und tanzen kann. Tja, man will immer das, was man nicht hat. Heute zwängen sich Menschen in der ganz realen Welt ab der Hüfte in Flossen hinein, um dann wie Nixen durch die chlorigen Gewässer dampfiger Hallenbäder zu gleiten.

Learn to swim safely in a mermaid tail! #PMIA

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Meerjungfrau-isierung des Banalen

Die heutigen Meerjungfrauen sind nicht nur Teilzeit im Wasser anzutreffen. In YouTube-Tutorials wird gezeigt, wie man sich auch im Alltag in ein Fabelwesen verwandeln kann: zum Beispiel mit dem perfekten Ombre-Mermaid-Haarton. Dabei werden die Haare in einen Blau-Grün-Farbverlauf gefärbt. Passend dazu gibt es natürlich auch Make-Up.

Die Perfektionisten kleben sich am Ende noch künstliche lila, grüne und blaue Wimpern zwischen ihre eigenen. So viel Zeit muss sein. Wer dann als formvollendet gestylte Nixe morgens im Trockenen am Frühstückstisch sitzt, kann sich auf eine artgerechte Kost freuen: Der Meerjungfrauen-Toast ging dieses Jahr auf Instagram steil, dick beschmiert mit einer Mischung aus Algenpulver und Mandelbutter-Creme, grün-blau changierend und mit einem Hauch von Goldstaub oder Glitzer bedeckt. Mmmh…

Nautische Geschmacksverirrung?

Aber jetzt mal ehrlich, da will man doch nicht reinbeißen. In einen grün-blauen Toast?! Der wurde erfunden, weil man ihn mit dem Hashtag „Meerjungfrau“ bei Instagram teilen kann. Und alles, was da so geliked und geklickt wird, lässt sich hervorragend verkaufen. Einfach den Meerjungfrau-Stempel drauf. Die Meerjungfrau ist das neue Einhorn. Dieses arme Ding muss mittlerweile für Klopapier und WC-Stein-Werbung herhalten.

Die Kommerzialisierung der Meerjungfrau zielt heute vor allem auf erwachsene Frauen ab. Die müssen nicht mal hängengebliebene Disney-Fans sein. Klar, sowohl Einhorn als auch Meerjungfrau stehen als Fabelwesen für etwas Märchenhaftes, nach dem sich viele Menschen heutzutage sehnen. Für Träume und Weltflucht. Aber während das Einhorn als tierisches Fabelwesen quasi geschlechtslos ist, ist die Meerjungfrau als Mischwesen zwischen Mensch und Fisch zwar halb weiblich – aber vollkommen entsexualisiert. Wo ihre Vagina sein sollte, ist ein schuppiger Fischschwanz. Was sagt es also über erwachsene Frauen aus, wenn sie die Meerjungfrau zum Idealbild stilisieren? Ist das zusammen mit all dem bunten Kommerz eine Art Infantilisierung?

Wann geht dem Trend die Luft aus?

Muss nicht sein. Meerjungfrauen werden mythologisch oft mit den Sirenen gleichgesetzt. Die sollen mit ihrem betörenden Gesang vorbeifahrende Seefahrer zu sich gelockt und unter Wasser gezogen haben. Dass die da nicht atmen konnten – Pech. Meerjungfrauen können in dem Sinne gute Vorbilder sein, als emanzipierte Frauen, die den Ton angeben.

Nur wenn die Liebe ins Spiel kommt, dann sollten sich die heutigen Meerjungfrauen-Fans noch mal lieber das Ende von Hans Christian Andersens Märchen durchlesen. Da gibt die kleine Meerjungfrau viel auf, um bei ihrem geliebten Prinzen zu sein – und der heiratet eine andere. Eine tragische Geschichte darüber, wie man vor lauter Selbstaufgabe am Ende allein dasteht. Also liebe Meerjungfrauen da draußen: Nicht den Disney-Film mit Arielle und Happy End gucken! Lernt aus der harten Realität der Märchenvorlage. Und dann haut den Fischschwanz in die Tonne. Weil auf eigenen Beinen zu stehen, das fühlt sich doch immer noch am besten an, oder?

 

Eine Facebook-Real-Satire: Wir haben drei Wochen auf dem Facebook-Profil von Söder verbracht, damit ihr es nicht tun müsst

Vergesst Dagi Bee, Justin Bieber und Taylor Swift. Wenn es eine prominente Person schafft, die eigene Zielgruppe über Social Media anzusprechen, dann ist es Dr. Markus Söder. Das beweist sein Facebook-Profil. Von Sebastian Spallek

Was ist nur aus Horst Seehofer geworden? Die Umfragen sind im Keller, bei den Koalitionsverhandlungen mucken Grüne und FDP auf und selbst die Jungspunde von der JU finden ihn mittlerweile so last year, halt so vong Gefühl her. Wie ein verängstigtes Reh steht er da und muss seinem Jäger in die tiefen braunen Augen schauen. Der Name des Jägers lautet Dr. Markus Söder.

Dr. Söder ist das ultimative Lokalkolorit, der unermüdlich auch die kleinste Kirwa (fränkisch Kærwa) besucht. Keine Einweihung wird ausgelassen. Kein Volksfest, dem er nicht seine schlauen Gedanken schenkt. Und wenn es der ewig volle Terminkalender vorsieht, dann noch auf eine Goaßmaß mit dem Bürgermeister. Der Heimatminister halt: Das alles wird fotografiert, kommentiert und natürlich upgeloadet. Soll der Horst doch mal liken wie volksnah ich, Markus, schon wieder bin.

Moment, Horst Seehofer besitzt ja nicht mal einen Twitter-Account. Die Zeichen der Zeit nagen an diesem Mann, was ein Disapointinger. Söder dagegen ist voll Trekki-, Elvis-, und Franz-Josef Strauß-Fan. Das lässt die Teenie-Herzen der JU höher schlagen. Der hat 1live! Und er ist viele. Zumindest im fränkischen Fasching ist er Punker! Drag Queen!!! Shrek und Mahatma Ghandi!!!! Edmund Stoiber!! Wowwww! Dr. Söder mag Fasching, trägt Trachtenjanker und hat ein uneheliches Kind. Herrgottsakra und ja mei, so modern ist halt die CSU. Und Horst Seehofer? Muss sich das Social-Media Power-Play traurig mit anschauen. Denn auf Facebook ist Influencer Dr. Söder zuhause. Das ist seine politische Arena. Er will uns mit seinem Social-Media-Auftritt kapern. Klappt richtig gut.

 

27. Oktober – Die Fußgängerzone

Gedanken zu Jamaika …

Posted by Markus Söder on Friday, October 27, 2017

 

Dr. Söder in der Nürnberger Fußgängerzone. Heute mal nachdenklich. Jetzt ein Statement platzieren. An so einem Tag ganz leger gekleidet und bloß nicht zu fancy: Marineblaues Hemd, aufgeknöpft, darüber sein schwarzer Allrounder. Söder stimmt uns auf die Herbstferien ein und freut sich. Er hat ja schon sein Abi in der Tasche (Notendurchschnitt 1,3!) und strahlt das auch aus. Bevor uns Dr. Söder ins Wochenende entlässt, hebt er aber noch kurz den Zeigefinger und deutet damit nach Jamaika-Berlin. Immer schön daran denken: Die Wähler haben GEGEN mehr Zuzug gestimmt. Gell?

 

29. Oktober – The Life of Markus

Das T-Shirt habe ich geschenkt bekommen. Ein gutes Motto😄

Posted by Markus Söder on Sunday, October 29, 2017

 

Geiles Motto, noch nie gehört: „Always look on the bright side of life“ – immer schön positiv. Die heutige Mission also: Ein bisschen Lebenshilfe. Lol, ist ja irgendwie auch eine direkte Message an den Seehofer, Horst. Tolles Geschenk auf jeden Fall, so ein Shirt mit Motto! Auf Englisch. Auch in Franken ist man sehr international! Ein bisschen eng ist es, das Shirt mit dem Monty Python Zitat. Wir Franken sind halt Lebemänner. Und uns Friends sagt das Bild: Leute, alles easy. Wenn ich erst mal am Drücker bin, dann werden alle happy.

 

31. Oktober – Der Reformationstag

Oh, Männo, 07:06 Uhr! In aller Früh beginnen heute die Feierlichkeiten zum Reformationstag. Jetzt locker bleiben. Ganz lässig schreitet Dr. Söder die Stufen hinab. Erinnert an Bono.

Gedanken zum heutigen Reformationstag …

Posted by Markus Söder on Monday, October 30, 2017

 

Aufgabe heute: Innehalten, tief schürfen, ein Tag für Botschaften! Aber nicht zu schwer, leutselig bleiben. Ein kleines Schwänkchen aus dem Leben könnte helfen. Hier in dieser Kirche, da haben sich Mama und Paps das Ja-Wort gegeben. Nice Anekdote, dazu benutzt Dr. Söder die linke Hand zum Gestikulieren und die rechte bleibt spitzbübisch in der Jackentasche vergraben. Zum Schluss noch Versöhnliches, Umarmendes, ein Landesvater muss auch ausgleichen können. Dr. Söder entschwebt, nimmt kurz die Meta-Perspektive ein und weiß, dass es dem lieben Gott doch bestimmt schnuppe ist, ob katholisch oder evangelisch. Alle die lieb sind, kommen in den Himmel. (Genialer Schachzug vom lutherischen Söder!)

 

2. November – Digitalisierung, das schmeckt mir!

Der Brückenkopf von Nürnberg nach Tel Aviv – da muss man zeigen: Es ist ein persönliches Anliegen für Dr. Söder.

Erstflug von Nürnberg nach Tel Aviv: Germania fliegt künftig zweimal pro Woche direkt nach Tel Aviv, Israel. Jetzt einen…

Posted by Markus Söder on Thursday, November 2, 2017

 

Digitalisierung, eine starke IT-Gründerszene und natürlich lecker Kuchen direkt am Rollfeld. Mmmh, das schmeckt. Auch hier keine Krawatte – lässig. Dafür blitzblanke Schuhe – stilsicher. Dr. Söders Blick will uns sagen: Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Wo auch sonst?

 

6. November – Der Schnaps 

Dr. Söder ist heute ganz der volksnahe Volksvertreter: Er steht in fescher Tracht und mit Indiana Jones Hut neben einem Fiaker mit noch fescheren Dirndln darauf. Eine Zeitung ist dabei und schießt Bilder.

Im April habe ich der Tölzer Leonhardifahrt den Heimatpreis Oberbayern verliehen, heute durfte ich die beeindruckende…

Posted by Markus Söder on Monday, November 6, 2017

 

Dr. Söder wird mit einem Stamperl Schnaps begrüßt. Es gibt stark gemischten Mexikaner. Mein Gott, wie es da regnet. Haltung bewahren. Jetzt zeigen, dass wir uns auch von Güllewetter nicht die Laune verhageln lassen. Sturmfest sein. Die wichtigste Regel beim Fortgehen: Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung.

 

10. November – Die Steuerschätzung

Ärmel hochgekrempelt und die pinke Partykrawatte angelegt. Noch einen Sip aus der NASA-Sieger-Tasse – Söder, die Rakete der guten Laune, startet ins Wochenende.

Aktuelle Steuerschätzung bringt auch für Bayern ein gutes Ergebnis: wir rechnen mit rund 600 Millionen Euro mehr…

Posted by Markus Söder on Friday, November 10, 2017

 

Geld, Geld, Geld. 600 Mille. Bei so viel Asche ist Dr. Söder happy. *Grins*

 

12. November – Die Messe

Sonntagmorgen, Andacht-Time. Hosianna, Dr. Söder ist da! Die Gemeinde auch. Rauf auf die Kanzel in Oberstaufen und preachen. Über ihm schwingt der Heiligenschein, hinter ihm steht ein Xylophon. Ein Blick in das Publikum zeigt: Kirchenflucht adé. Full House, weil Eventcharakter!

Kanzelrede in Oberstaufen: lassen wir uns auf Gott ein – er wird uns führen. Wir können auf ihn bauen

Posted by Markus Söder on Sunday, November 12, 2017

 

 

15. November – Der Fasching

Fette Gaudi im Büro vom Heimatminister. Klausentreiben – geil! Tolle Kostüme, zum nächsten Frankenfasching als Klaus gehen, das wärs! Dr. Söder hält volksnah seine Rute. Will sagen: Obacht Berlin, genug eingesteckt, bald wird ausgeteilt!

Besuch beim Heimatminister: Heute haben mich die Erkheimer Klausen mit dem Heiligen Nikolaus und den Bärbele in Begleitung von Klaus Holetschek besucht. Die Klausen ziehen nach alemannischem Winterbrauch durch das Allgäu. Mit ihrem Schellengetöse sollen sie die Wintergeister vertreiben. Am 5. und 6. Dezember haben sie aber auch Nüsse, Äpfel, Orangen und Süßigkeiten für die Kinder dabei.

Posted by Markus Söder on Wednesday, November 15, 2017

 

 

Drei Wochen mit Dr. Söder – alles gesehen, vieles geliket. Meine Timeline ist voll mit ernsten Worten, funny Sprüchen, lecker Essen und bissl Politik. Der Mann ist eine Social Media Maschine und weiß sich in Szene zu setzen. Und wenn der Facebook-User mal turkey kriegt: Dr. Söder ist auch auf Instagram. Über 1.700 Fotos hat er da. Voll gut.

 

Die verhasste Julia Engelmann braucht einen Pflichtverteidiger. Wir haben ihn!

Spiegel Online, Vice und Amy & Pink: Sie alle haben in den letzten Tagen auf Julia Engelmann draufgehauen. Oh Baby, das geht zu weit! findet Christian Schiffer.

Liebe Julia Engelmann, da sitze ich nun und soll für Dich eine glänzende und poetisch funkelnde Verteidigungsschrift schreiben.  Warum ich!? „Weil Du so ziemlich der der einzige Mensch auf der Welt bist, der immer noch nicht das fucking Video gesehen hat!“. Mein Unwissen sei eine Gnade und würde mir den Job unbefangener machen, meint meine Redaktion. Es geht natürlich um dieses eine Video da, das Dich schlagartige berühmt gemacht hat, dieser virale Poetry-Hit. Irgendwas in Deiner Turnhalle. Irgendwas mit Hey, Baby….Na, wird schon nicht so schlimm sein…

Woooooohooowww…Oookaaay… Mittlerweile sitze ich hier vor meinem Rechner, sehe das Video, höre Dein Album, habe Deinen Wikipedia-Artikel offen und Deinen 130 000er Instagram-Account, scrolle durch handgeschriebene Kalendersprüche, eine halbe Million Freunde auf Facebook, eine halbe Million! und staune über dieses Bild aus 31000 Bügelperlen, das Dir Lea gemacht hat, ein treuer Fan. Finde ich alles scheiße, ehrlich gesagt, bis auf das Bügelperlenbild. Aber darum geht es ja nicht, ich bin ja Dein Pflichtverteidiger, ich haue Dich da raus. It’s a dirty job but someone’s gotta do it. Widmen wir uns also den Anschuldigungen. Da wären zunächst mal die Klick-Krawall-Brüder von der Vice:

„Die Banalität des Blöden (*Hannah-Arendt-Voice*) hat in Julia Engelmann den perfekten Wirt gefunden.“

Der Autor findet Deine Musik scheiße und Deine Texte eh, es nervt ihn, dass er Leute aus seiner Timeline werfen muss, weil die Dein Zeug teilen und zwar nervt ihn das gleich so sehr, dass er gleich mal die Adolf-Eichmann-Anspielungen auspackt. Und weil wir hier immer noch bei der Vice sind, erwähnt er am Ende noch, dass er sich jetzt eine Zigarette anzündet und einen Wodka eingießt, so sehr nimmt ihn das alles mit. Mei. Vielleicht solltest Du ihn mal zur Seite nehmen, nachdenklich wie du ist, versöhnlich wie du bist, und ihm sagen, dass alles wieder in Ordnung kommt und er sich daran erinnern soll, Baby, was für uns hier bei der Vice wirklich im Leben zählt, Baby: zuhören, verstehen, Gedichte und Kokain.

Die Kollegen von Spiegel Online gehen gleich noch weiter:

„Engelmann-Poesie ist, wie die Wanddeko-Sprüche im Baumarkt, eine Poesie der totalen Affirmation. Alles ist in Ordnung mit dir. Immer.“

Oh ja, die sehr erwachsenen Rollkragen-Feuilletonisten von Spiegel Online kritisieren die Untiefe deiner Gefahren-freien Guten-Laune-Befindlichkeitsattitüde. Deine Poesie des kleinsten gemeinsamen Nenners. Da haben sie ja recht, aber das könnt man genauso gut über Paulo Coelho sagen oder über den Gutesten von allen, über den Dalai Blabla. Bei denen ist es ja so: Die haben viele Fans, erzählen noch mehr Bullshit, dem größten Teil der Welt sind sie aber bums, manch einer belächelt sie, das war’s dann aber auch schon im Großen und Ganzen. Bei Dir ist das aber anders: Du ziehst Häme auf Dich und sogar Hass. Das ist böse. Das ist gemein. Und da merke ich: Aus meiner bisher zugegebenermaßen etwas lamen und unmotiviert heruntergespulten Pflichtverteidigung könnte vielleicht doch noch so etwas werden wie ein leidenschaftliches John-Grisham-Gedächtnis-Plädoyer. Denn Deinen Gegnern ist kein Quatsch zu blöd, um ihren Hochnasen-Furor argumentativ zu bemänteln:

„Julia Engelmann trifft mit ihren Werken ja gerade die Zielgruppe, der wir versuchen beizubringen, Depressionen nicht zu verharmlosen und sich frühzeitig Hilfe zu holen, wenn sie merkt, dass es mit der Stimmung so langsam bergab geht und das Lachen immer schwerer fällt. Mit Texten wie in „Grapefruit“ springt sie all den wichtigen Debatten mit dem nackten Arsch ins Gesicht.“

Sucht euch schwerere Beute!

Der Vorwurf von Amy & Pink wiegt schon schwerer: Dein Song „Grapefruit“ soll Depressionen verharmlosen. Vor allem, weil Du in dem Song nahelegst, doch einfach eine Grapefruit zu Essen, wenn einen die Schwermut packt. Grapefruit und dazu tatsächlich Coldplay! Dass man mit Grapefruit und Coldplay was gegen Depressionen ausrichten kann, ist natürlich Bullshit. Aber Schwamm drüber, der Vorwurf ist einfach zu dämlich. Kein Kranker wird sich den Kopfhörer runterreißen und sich eine Tonne Grapefruits zulegen. Und außerdem, ein paar Zeilen weiter singst du ja dann:

„Mit ‘nem Beinbruch gehst du auch zum Orthopäden, deshalb kannst du ja vielleicht mal mit ‘nem Psychologen reden?! Deshalb bist du nicht verrückt – also auch nicht mehr als ich, nimm deine Summertimesadness ab und zeig mir dein Gesicht!“

Wenn nur ein Depressiver wegen Dir endlich den Arzt aufsucht, hast Du den Freispruch schon verdient. Und Julia, ganz ehrlich, ohne Witz und vielleicht mach ich mich jetzt hier für alle Zeiten zum Kantinen-Gespött: Aber baby, ist das eine starke Songzeile! Nimm deine Summertime-Sadness ab und zeig mir dein Gesicht! Groß! Und jetzt, ihr Suchmaschinen-optimierten, von Eurer Marketing-Abteilung getrimmten Click-Bait-Journalisten: Seid so gut, sucht Euch wieder eine etwas schwerere Beute! Peter Sloterdijk oder von mir aus Matthias Matussek. Das war’s dann, Euer Ehren, Case Closed.