Wie Trump eine Casting-Show für Drag Queens zum Quotenhit machte

Von Katja Engelhardt

RuPaul hat mehrere Emmys gewonnen, seit wenigen Tagen einen Stern auf dem Walk of Fame und der renommierte Musikblog Pitchfork interessiert sich plötzlich dafür, was RuPaul so für Musik hört – aber: Wer ist RuPaul? 

In den USA ist RuPaul seit Jahrzehnten im Showgeschäft aktiv: als Model, Drag Queen und auch als Sänger. In Deutschland lernt ihn jetzt eine neue Generation kennen und eher durch seine Reality TV Show „RuPaul’s Drag Race“. Das ist ein Wettbewerb für Drag Queens.

Aufbegehren gegen das Trump’sche Weltbild

Für die deutsche Fernsehlandschaft noch undenkbar, in den USA das Erfolgsmodell der Stunde: 14 Männer, die sich angezogen haben wie Frauen, schneidern, singen und modeln um die Wette. Berühmte Gast-Juroren wie Christina Aguilera, Gigi Hadid oder Lady Gaga bewerten sie darin. Die Einschaltquoten steigen und steigen und steigen. Das Format ist ein gesellschaftliches Phänomen. Es ist ein popkulturelles Aufbegehren gegen Engstirnigkeit, Intoleranz und nennen wir das Kind beim Namen: gegen Donald Trump.

RuPaul’s Drag Race“ ist wie Germany’s Next Top Model ein Reality TV Wettbewerb. Es gibt mehrere Teilnehmerinnen, und in jeder Folge eine neue Herausforderung – Kleider entwerfen, Choreografien einstudieren oder Comedy performen. Und natürlich fliegt pro Folge eine raus. Aber wo eine Sendung wie Germany’s Next Topmodel Menschen so lange in Schablonen presst bis sie gleichförmig sind, feiert „RuPaul’s Drage Race“ Persönlichkeiten. Jede Drag Queen ist anders und je weiter sie das herausstellen kann, desto besser sind ihre Chancen zu gewinnen. Es gibt Cabaret-Queens, Schönheitsköniginnen, Comedy-Queens und reine Karikaturen. Während die Eine aussieht wie eine Leinwand-Diva aus den 50ern, ähnelt die Andere einer kaputten Barbie-Puppe. Alle hinterfragen, was es heißt ein Mann zu sein, wie eine Frau sich verhält – oder auch nicht – und testen aus, wo die Grenze verläuft – um sie dann einzureißen.

Ein Gamechanger für Drag Queens

Für Drag Queens in Amerika ist das ein Game Changer: Sie erhalten durch die Show Sichtbarkeit und manchmal sogar eine Karriere. Einige von ihnen waren vor der Show schon kleine Instagram-Stars, andere arbeiten Jahrzehnte und für wenig Geld – bis sie bei „RuPaul’s Drag Race“ landen. Und dann geht es ziemlich sicher steil bergauf. Teilnehmerin Milk modelte für Designer Marc Jacobs. Naomi Smalls interviewt für die Cosmopolitan den Rap Star Cardi B. Drag Queen Katya hat eine eigene Show auf Viceland – zusammen mit Trixie Mattel, die mit einem Countryalbum an der Spitze der Billboard-Charts gelandet ist.

Aber die Sendung „RuPaul’s Drage Race“ ist mehr als ein Sprungbrett für eine Karriere in der Entertainment Industrie. Sie ist zutiefst politisch. Gerade in der Trump-Ära hat es einen besonderen Effekt, wenn RuPaul, ein schwuler schwarzer Mann, als Frau verkleidet singt, dass er Amerikaner ist. Und offensichtlich stolz darauf.

Trump macht die Sendung noch besser

Dabei blicken die Züge von Trumps Regentschaft immer wieder durch. Vielleicht hat sie sogar die besten Staffeln von „RuPaul’s Drag Race“ erzwungen. Weil die Sendung jetzt noch expliziter politisch ist – und gegen das gesellschaftliche Klima, das Trump schafft. Die Show ist auf den ersten Blick eine sichere Zone, in der es keine Vorurteile und keine missbilligenden Blicke, ein kleines Paradies für Drag Queens. Damit gibt sich die Sendung aber nicht zufrieden. In der letzten Staffel war die demokratische Senatorin Nancy Pelosi zu Gast – für die Belange von Minderheiten. Sie nutzte den Auftritt und rief die Zuschauer zum Wählen auf. Die Teilnehmerinnen sollen sich engagieren, das Publikum soll sich stark machen für Minderheiten.

Welche andere Show kann das schon so unverblümt transportieren? RuPaul bringt mit seiner TV Show eine Weisheit der queeren Szene in den Mainstream: Wir werden alle nackt geboren, der Rest ist Drag – also Verkleidung. Wir sind mehr als unsere Körper und deswegen auch mehr als unser angeborenes Aussehen, unsere Hautfarbe oder unser Geschlecht. Mit diesem Selbstverständnis predigt „RuPaul’s Drage Race“ Humor, Fairness, Gleichheit und Selbstliebe. Und das können wir alle gebrauchen.

Eine Stunde Zündfunk Generator mit dem Thema „Konfetti-Kanone oder Gender-Sprengsatz? Drag Queens und Kings im Mainstream“ findet ihr hier.

 

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