Wie „Africa“ von Toto vom totgehörten Hit zum angesagtesten Mem wurde

Von Alba Wilczek und Matthias Hacker

Der Song „Africa“ von Toto ist ein Phänomen. 1982 erschienen, war er 21 Wochen auf Platz 1 in den US-Charts und fast genauso lange in den Top 15 in Deutschland. Allein das offizielle Musikvideo auf YouTube hat mittlerweile fast 300 Millionen Views erreicht. Das sind mehr als Phil Collins „In The Air Tonight“ und „Hotel California“ von den Eagles zusammen. 

Diesem Ohrwurm ist einfach nicht beizukommen. Er funktioniert in der Großraum-Disco, beim Abhängen am Autoscooter, in der Karaokebar und in der Badewanne.

Im vergangenen halben Jahr hat er endlich auch das Internet gekapert. Der Song ist zum Phänomen mutiert und derzeit eines der erfolgreichsten Memes. Überall existieren Meme-Seiten, bei Reddit türmen sich schon lange Fantheorien, es gibt Exzerpte über die Interpretation des ulkigen Musikvideos und Q&A’s mit der Band. Jüngst hat ein junger Mann gar stolz seinen Volvo Baujahr anno 1960 so gepimpt, dass jedes Mal wenn der Motor läuft und die Tür offen steht, „Africa“ von Toto als 8bit Version erklingt.

Toto-Keyboarder David Paich hatte nie daran geglaubt, dass „Africa“ so ein Hit werden könnte wie „Hold The Line“ oder „Rosanna“. In letzter Minute schubste er – so sagt es die Legende – den Song noch auf ihr Hit-Album „Toto IV“. Die Melodie soll er innerhalb von nur zehn Minuten komponiert haben. Das Programmieren dieses Hardware-Orchesters hier hat wohl deutlich länger gedauert.

Und noch viele andere Nerds toben sich in ihrer „Africa“-Leidenschaft mit Erfindergeist und Experimentierfreude aus. Dieser junge Mann spielt den Softrock-Klassiker virtuos mit einem Quietschehuhn. Besonderes Augenmerk bitte auf seinen ernsten Blick in die Kamera.

Die Community liebt die Eingängigkeit des Songs und hasst gleichzeitig die Unwiderstehlichkeit.

Dieser hypnotische Beat ist wie eine Droge.

Mit seinen 35 Jahren wäre „Africa“ eigentlich ein Track aus der Kategorie: Hängt nur noch in den Oldies-Schleifen der Provinzradios oder auf 80er-Compilations des Grauens fest. Aber jetzt schenkt ihm das Internet mithilfe einer riesigen Flut an Memes seine x-te Renaissance. Und womit – mit Recht. Und jetzt alle: „I bless the rains down in Africa…“

 

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  1. Es gab früher jede Menge Songs, die man beim ersten Takt erkannt hat, und deren Rhytmen sich sofort eingebrannt haben, und es gab jede Menge solcher, eomtional berührenden Lieder. Heute, wo es nur noch Heulsusenpopp und gepitchte Fließband-Nummern gibt, mag das verwundern …

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